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Start-ups: Seed-Phase: Unternehmensstart finanzieren Teil 1

GeldIn der Seed- oder auch Start-up-Phase geht es zur Sache: Das Unternehmen wird formal gegründet und muss jetzt zeigen, dass es sich mit seinem Produkt auf dem Markt durchsetzen kann.

Das Team nimmt letzte Anpassungen an der Marktreife sei­nes Produkts oder Verfahrens vor. Produktion und Vertrieb werden aufgebaut, Mitarbeiter eingestellt. Die Kundenak­quise läuft auf Hochtouren und im Verlauf sind meist wei­tere Finanzierungsrunden notwendig.

Der Kapitalbedarf – vor allem für Marketing und Vertrieb – ist in dieser Phase vergleichsweise hoch. Vor allem Start-ups in der IT-Branche beschränken sich dabei nicht nur auf den deutschen Markt, sondern streben eine frühzeitige Interna­tionalisierung an. Nach wie vor geht es aber auch darum, weitere Entwicklungsarbeiten sowie den eigenen Lebensun­terhalt, Mitarbeiter und Beratungsleistungen zu finanzieren.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und das ERP-Sondervermögen unterstützen in dieser Phase innovative Start-ups mit Beteiligungskapital und zinsverbilligten Darlehen ggf. mit Absicherung durch eine Bürgschaft sowie Know-how.

Beteiligungskapital

Beteiligungskapital, Wagniskapital, Risikokapital oder auch Venture Capital. Viele Namen, hinter denen immer dasselbe Prinzip steckt: Ein oder mehrere Investoren beteiligen sich mit ihrem Kapital an einem Start-up. Der Vorteil ist: Anders als bei einem Bankdarlehen benötigen die Gründer keine Sicherheiten. Was zählt, ist die Idee, das Team und das Ge­schäftsmodell. Zudem gilt Beteiligungskapital bilanztech­nisch“ als Eigenkapital. Damit wird eine eventuell weitere Kapitalaufnahme erleichtert – frei nach dem Motto Wer hat, dem wird gegeben“. Nicht zuletzt gilt Beteiligungskapital auch als smart money“, denn nicht selten stehen die Kapi­talgeber dem jungen Gründungsteam mit ihrem unterneh­merischen Know-how zur Seite.

Ziel des Investments ist es, den Wert des Unternehmens zu steigern. Zieht sich der Investor nach einigen Jahren wieder aus dem Unternehmen zurück, erzielt er durch den Verkauf der Unternehmensanteile einen Gewinn.

Neben privaten Investoren wie Business Angels und Ven­ture-Capital-Gesellschaften u. a. beteiligen sich auch mittel­ständische Beteiligungsgesellschaften und öffentlich geför­derte Wagniskapitalfonds an jungen Unternehmen.

„Start small“: Mikromezzaninfonds Deutschland

Auch wenn es vor allem die großen Millionen-Investments sind, die immer wieder für Schlagzeilen sorgen, gibt es in der Start-up-Szene dennoch viele Gründerinnen und Gründer, die (zunächst) „auf kleiner Flamme kochen“. App-Entwickler oder Social-Start-ups zum Beispiel kommen auch mit einem relativ geringen Startkapital aus. Für sie kann eine stille Be­teiligung von bis zu 50.000 Euro durch eine Mittelständische Beteiligungsgesellschaft (MBG) sinnvoll sein. Die MBG leistet als stille Gesellschafterin eine Einlage in das Unternehmens­vermögen, erwirbt aber keine Anteile. Die Geschäftsleitung bleibt also in der Hand der Gründer, die über die Kapitalein­lage nicht nur anstehende Investitionen finanzieren können, sondern auch ihre Kreditwürdigkeit verbessern.

„Think big“: High-Tech Gründerfonds

Bis zu 600.000 Euro in der Seed-Phase investiert der High-Tech Gründerfonds (HTGF) in innovative Technologieun­ternehmen, die nicht älter als ein Jahr sind. Mit dem Invest­ment können junge Unternehmen in der Frühphase ihren Finanzierungsbedarf decken: bis zur Erstellung eines Proto­typs bzw. eines „proof of concept“ oder der Markteinfüh­rung. Zusätzlich stellt der HTGF ein nachrangiges Gesell­schafterdarlehen zur Verfügung.

Und auch nach der Seed-Phase sind weitere Beteiligungen im Rahmen von Anschlussfinanzierungsrunden möglich: Bis zu zwei Millionen Euro stehen pro Start-up zur Verfü­gung. Wobei der HTGF in der Regel noch weitere Investoren an Bord holt. Seit 2005 konnten auf diese Weise mehr als 1,2 Milliarden Euro durch Dritte eingeworben werden. Ne­ben Kapitalbeteiligungen bietet der HTGF den jungen Unter­nehmen auch eine intensive Betreuung und Unterstützung an, sodass sich die bisherige Bilanz sehen lassen kann: Seit 2005 haben 450 Unternehmen eine Finanzierung erhalten und wurden erfolgreich auf den Weg gebracht. Damit der Übergang von der Pre-Seed- in die Seed-Phase reibungslos gelingt, rät Dr. Alex von Frankenberg, Geschäftsführer beim High-Tech Gründerfonds, frühzeitig Kontakt mit dem HTGF aufzunehmen: „Vom Erstkontakt bis zur Beteiligungszusage vergehen typischerweise vier Monate. Unser Ziel ist es, in die­ser Zeit das Unternehmen, die Technologie, die Marktchan­cen, das Geschäftsmodell und das Gründerteam kennenzu­lernen und zu verstehen. Wir müssen zu der Überzeugung gelangen, dass aus der Gründung ein dauerhaft funktionie­rendes Unternehmen werden kann, und erkennen können, welchen Beitrag – auch über die Finanzierung hinaus – wir dazu leisten können.“

Investoren motivieren

Das Bundeswirtschaftsministerium will Investoren moti­vieren, sich mit ihrem Kapital an Start-ups zu beteiligen. Dazu gibt es eine Reihe von Förderinstrumenten, die sich unmittelbar an Kapitalgeber richten.

„INVEST“ – Zuschuss für Wagniskapital

Für Business Angels und andere private Investoren wurde beispielsweise das Programm „INVEST – Zuschuss für Wag­niskapital“ ins Leben gerufen. Beteiligt sich ein Business Angel für mindestens drei Jahre mit mindestens 10.000 Euro an einem Start-up, erhält er einen Zuschuss in Höhe von 20 Prozent seines Investments. Darüber hinaus kann ab 2017 die Steuer, die auf einen späteren Veräußerungsgewinn entfällt, pauschal mit einem Exitzuschuss kompensiert wer­den. Pro Unternehmen können Anteile im Wert von bis zu einer Million Euro pro Jahr bezuschusst werden.

(Quelle: GründerZeiten extra, BMWi, Berlin)
(Bildnachweis: ©-matttilda – Fotolia.com)

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