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Start-ups: Anschlussfinanzierung sichern

Two business people shaking hands

Gründungsberater und Kapitalgeber machen immer wieder die Erfahrung,
dass viele Start-ups nach der Pre-Seed-Phase in eine Finanzierungslücke geraten,
sodass ihnen die Luft ausgeht, bevor sie auf dem Markt sind.

Der häufigste Grund für eine Finanzierungslücke ist: Die Gründungsteams kümmern sich nicht rechtzeitig um eine Anschlussfinanzierung. Planen Sie daher etwa sechs bis acht Monate ein, um sich auf die anstehende Finanzierungsrun­de vorzubereiten. Empfehlenswert ist es, in folgenden Schritten vorzugehen:

Investitionsbedarf und laufende Kosten einschätzen

Auch wenn es in der Frühphase der Vorbereitungen noch nicht darum geht, genaue Zahlen zu ermitteln, sollten Sie schon eine gewisse Vorstellung davon haben, wie der Kapi­talbedarf aussieht. Sprechen Sie darüber mit Ihrem Coach und/oder Gründungsberater. Welche Investitionen und lau­fenden Kosten müssen finanziert werden, wenn der Busi­nessplan oder das erste Business Canvas und die Finanzpla­nung fertiggestellt sind? Über welchen Zeitraum? Im Ver­lauf der Pre-Seed-Phase sollten nachvollziehbare und möglichst realistische Zahlen in Ihren Finanzplan einflie­ßen, damit Sie Umsatz, Kapitalbedarf, Liquidität und Renta­bilität für die nächsten drei bis fünf Jahre prognostizieren können.

Innovationsgrad und Wachstumserwartung beurteilen

Wie hoch ist der Entwicklungsbedarf, um die Dienstleis­tung oder das Produkt auf den Markt zu bringen? Lässt sich die Geschäftsidee relativ schnell umsetzen und können zeitnah Kunden akquiriert werden? Oder sind noch Forchungs- und/oder Entwicklungsarbeiten notwendig, um die notwendige Marktreife zu erzielen? Wie hoch ist der Wachstumsdruck in der Branche und wie sieht es mit der Skalierfähigkeit der Geschäftsidee aus? All dies hat entschei­denden Einfluss auf die Art der Finanzierung und muss bei Ka­pital- und Businessplanung berücksichtigt werden.

Aufbau und Wachstum strukturieren

Rückblickend sagen viele Gründerinnen und Gründer, dass sie unterschätzt haben, wie viel Zeit und Aufwand notwendig sind, um ihr Unternehmen „zum Laufen“ zu bringen. Bis Produkt oder Dienstleistung tatsächlich verkauft werden können, müs­sen nicht selten erst Kundenwünsche und -bedürfnisse berück­sichtigt werden. Überhaupt müssen noch jede Menge Gespräche geführt, Verträge mit Auftraggebern geschlossen, das Marke­ting auf den Weg gebracht, Kunden akquiriert werden usw. Deshalb: Meilensteine großzügig planen.

Finanzierungs- und Förderangebote recherchieren

Das Angebot an Finanzierungs- und Förderinstrumenten ist groß. Von den drei FFF – Family, Friends and Fools –, Crowdfunding oder -investing über Beteiligungskapital bis hin zur Darlehensfinanzierung gibt es eine Fülle an Möglichkeiten. Vielfach kann auch die Beteiligung mehrerer Kapitalgeber sinnvoll sein. Zwei, drei Business Angels an Bord zu haben, bedeutet zum Beispiel nicht nur mehr Kapital, sondern auch mehr Know-how – „smart money“ eben. Hinzu kommen Be­teiligungsprogramme bundesweiter und europäischer (För­der-)Institutionen. Dazu gehören z. B. der High-Tech Grün­derfonds – eine Public-Private-Partnership von BMWi, KfW und weiteren Partnern und inzwischen bundesweit größter Frühphaseninvestor – und der Ko-Investitionsfonds copari­on, der im Frühjahr 2016 gemeinsam von ERP-Sonderver­mögen und der KfW mit einem Volumen von 225 Millionen Euro aufgelegt wurde. Darüber hinaus können Förderpro­gramme der Landesförderinstitute oder Beteiligungen der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften in den Län­dern die bundesweiten Finanzierungsangebote ergänzen.

Passende Finanzierung auswählen

Erste unverbindliche Gespräche mit Förder- und Finanzierungsinstitutionen eignen sich am besten, um auszuloten, welche der ins Auge gefassten Finanzierungsmöglichkeiten zum konkreten Vorhaben und der Unternehmensphase passen. Ein typischer Fehler, den Gründer-Teams immer noch häufig machen, sollte dabei unbedingt vermieden werden, empfiehlt Robert Schlösser, Abteilungsdirektor bei der KfW Bankengruppe: „Massen-Mailings an Business Angels und andere private Investoren quer durch die Republik sind ein absolutes ‚No-Go‘. Die Investoren-Szene, die für eine Frühphasenfinanzierung in Frage kommt, ist relativ klein und gut vernetzt. Da sollte man schon eine persönliche Ansprache wählen und sich genau überlegen, wen man adressieren kann. Schließlich geht es ja nicht nur darum, einen Kapitalgeber zu finden, sondern auch jemanden, mit dem man sich für die Dauer der Finanzierungsrunde zu unternehmerischen Fragen austauschen kann.“

Start-up auf Finanzierung vorbereiten

Welche Finanzierung bzw. Förderung auch immer in Be­tracht gezogen wird – entscheidende Fragen für das Team sind u. a.: Kann der Kapitalbedarf gedeckt werden? Über welchen Zeitraum? Welche Voraussetzungen muss das Un­ternehmen erfüllen? Und wann steht das Geld dem Unter­nehmen spätestens zur Verfügung? Gerade weil die Teams in aller Regel noch keine Markterfolge vorzeigen können, zählt für Kapitalgeber die Zusammensetzung des Teams bzw. der zukünftigen Mitarbeiter. Wichtig ist dabei, dass alle notwendigen Kompetenzen vertreten sind und u. a. die Zu­ständigkeiten für Vertrieb, Marketing und Controlling ge­klärt sind.

Verträge für erste Finanzierungsrunde finalisieren

In den letzten drei Monaten der Pre-Seed-Phase sollte das Team alle Voraussetzungen erfüllt haben. Formalitäten wie die Abfassung des Gesellschaftsvertrags und der Eintrag ins Handelsregister sollten nun abgeschlossen und alle Fragen zum Beteiligungsvertrag geklärt sein. Damit kann die erste Finanzierungsrunde vertraglich besiegelt werden und somit idealerweise ein nahtloser Übergang stattfinden.

(Quelle: GründerZeiten extra, BMWi, Berlin)
(Bildnachweis: 58862247_©-stockyimages – Fotolia.com)

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