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Warum eine Steueroase für Selbstständige keine dauerhafte Lösung ist

steuerberater-franz-schmidSelbstständige sehen sich nach der ersten Gründermotivation oftmals frustriert der deutschen Steuerrealität gegenüber. Abhängig von der Unternehmensform und Einkommenshöhe geht für Sie als Unternehmer knapp die Hälfte des Einkommens an den Staat. Gerade wer im Onlinebusiness tätig ist, fragt sich also vielleicht, ob nicht ein Ortswechsel in eine Steueroase die Lösung sein könnte. Warum allerdings auch das kein Zuckerschlecken ist, erfahren Sie hier.

Die deutsche Steuerrealität

Bevor Sie sich jedoch mit dem Schritt in ein Steuerparadies näher befassen, sollten Sie noch einmal genau reflektieren, ob sich eine Auswanderung tatsächlich finanziell lohnt. Oft lassen sich nämlich auch hierzulande mit einem guten Steuerberater erhebliche Einsparungspotenziale eruieren.

Fakt bleibt allerdings: in Deutschland gelten mitunter die höchsten Steuersätze in Europa. Da wären beispielsweise die Verbrauchersteuer, sowie die Besitz-, Verkehrs-, und Kirchensteuer, sowie weitere Abgaben wie beispielsweise diverse Pflichtversicherungen.

Im Folgenden finden Sie die berüchtigsten Steueroasen in Europa und weltweit. Außerdem verraten wir Ihnen die Schattenseiten, die mit dem Umzug in eine dieser Steuerparadiese verbunden sind.

Bekannte Steueroasen weltweit

Einige Länder halten es anders als Deutschland und legen weniger Wert auf Steuereintreibung. Ob das nun gut oder schlecht ist, sei dahingestellt, jedenfalls fordern manche Staaten der Erde einen viel geringeren Prozentsatz an Steuern ein. Klar, dass Sie als Selbständiger darin eine gewisse Attraktivität erkennen. Denn gerade als Selbstständiger im Onlinebusiness ist man meist ortsunabhängig und kann seinen Arbeitsplatz viel freier wählen.

Top Steueroasen weltweit finden sich unter anderem in:

  • den Bermudas,
  • den Cayman Islands,
  • Jersey,
  • Barbados,
  • Hong Kong,
  • Curaçao,
  • Mauritius und den Britischen Jungferninseln.

Doch es geht auch näher:

  • die Schweiz,
  • Luxemburg,
  • Tschechien,
  • die Niederlanden
  • oder auch Irland.

Übrigens befinden Sie sich mit einer Auswanderung weiterhin auf legalem Boden, solange Sie Ihren Lebensmittelpunkt tatsächlich in das Zielland verlagern. Ob Ihre deutschen Mitbürger das auch so sehen, ist eine andere Frage, denn diese führen weiterhin brav ihre Abgaben an das Finanzamt ab.

Doch auch die EU nimmt nun verstärkt den Kampf gegen Steueroasen auf und arbeitet momentan an einem neuen Regelwerk, das diese steuerlichen Nischen schießen soll.

Steueroasen: Die Contras

Wenn Sie ernsthaft mit dem Gedanken an einen Ortswechsel spielen, sollten Sie sich vorher einige Dinge genauer bewusst machen. Über Nacht ein völlig neues Leben zu starten, will nämlich nicht nur gut geplant sein, sondern kann auch einige persönliche Herausforderungen mit sich bringen. Ohne adäquate, ortskundige Beratung ist das Vorhaben keinesfalls zu empfehlen. Vergessen Sie nicht, dass diese Leistungen wiederum mit hohen Kosten verbunden sind.

Unter anderem müssen Sie sich auf folgende Veränderungen gefasst machen:

  1. Soziales Leben

Wenn Sie Ihr Heimatland verlassen, sagen Sie auch gleichzeitig Ihrer Familie, Ihren Freunden und Bekannten Lebewohl. Da Sie für einen erfolgreichen Steuervorteil den Lebensmittelpunkt im Zielland haben müssen, bleibt außer Besuchen also nicht viel Kontakt. Teure Heimflüge und lange Autofahrten könnten Ihren Kostenvorteil schnell wieder zunichte machen.

Ein neues Leben bedeutet dabei auch gleichzeitig einen völlig neuen sozialen Start – auch wenn das eine Chance bedeuten kann, besteht gleichzeitig auch die Gefahr, dass Sie sich als Fremder erst mal nicht dazugehörig fühlen. Kontakte für Ihr Business zu finden, kann unter Umständen auch ein Thema sein.

  1. Kulturwechsel

Überlegen Sie sich vorher gut, ob Sie wirklich ein angemessen hohes Maß an Anpassungsfähigkeit mitbringen. Eine andere Kultur erfordert meist auch die Adaptierung an Verhaltensregeln und an den Gesellschaftscodex, der erlernt werden sollte. Ein Kulturschock ist hier erst mal nicht auszuschließen.

  1. Sprache

Kommunikation macht einen großen Teil Ihres Wohlfühlkontos aus. Wenn Sie die Sprache nicht oder nur unzulänglich beherrschen, kann Ihnen außerdem die Bürokratie einige Stolpersteine in den Weg legen. Unter Umständen werden Ihre Unternehmensziele durch lange Wartezeiten und Missverständnisse eingebremst. Dann bleibt nur noch ein ortskundiger Berater – und auch der kostet!

  1. Lebensqualität

Es kommt natürlich auf Ihre Auftragslage an, doch eventuell müssen Sie sich mit einem völlig anderen Lebensstil begnügen. Sie können außerdem mit einer schlechteren Infrastruktur konfrontiert sein oder sich einer höheren Kriminalitätsrate als in Deutschland gegenübersehen.

  1. Vorsorge

Außerdem sollten Selbständige im Ausland nicht ihre Altersvorsorge vergessen. Natürlich sollten sich Arbeitnehmer im Allgemeinen damit beschäftigen, doch das betrifft gerade Selbständige. Denn als Selbstständiger haben Sie keinen Anspruch auf die gesetzliche Rentenversicherung. Das bedeutet keine automatische Absicherung für Sie. Am besten also früh genug Gedanken darüber machen – denn es besteht immer die Chance, dass man wieder ins Heimatland zurückkommt.

Steueroasen existieren tatsächlich in gewissen Teilen der Welt. Sie bieten einige Kostenvorteile für Selbständige, die oft ortsunabhängig sind und so davon profitieren können. Andererseits können sich diese Ersparnisse schnell wieder relativieren, wenn man im Ausland Geld für teure Heimatbesuche, Dolmetscher oder sonstige Umstellungen braucht. Ob sich ein Umzug ins Steuerparadies also wirklich für Sie lohnt, müssen Sie sich vorher gut ausrechnen.

(Gastbeitrag von Franz Schmid, Jenbach/Tirol, www.schmid-steuerberater.at)
(Bildnachweis: Franz Schmid)

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