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Existenzgründungen durch Frauen – Besonderheiten

Two business people shaking hands

Wer ein Unternehmen gründen oder ein Unternehmen übernehmen will, muss ganz bestimmte Anforderungen erfüllen: einen Businessplan ausarbeiten, die Finanzierung auf die Beine stellen, (zusätzliche) Kunden finden usw. Dabei spiele das Geschlecht keine Rolle, sagen viele Existenzgründungsexpertinnen und -experten. Wer gut ist, schafft es, Gründer hin, Gründerin her. Allerdings gibt es rund um das Thema Existenzgründungen durch Frauen einige Besonderheiten.

Spielraum für Gründerinnen

Frauen gründen und führen noch immer seltener ein Unternehmen als Männer. Sie machen zwar laut Statistischem Bundesamt hierzulande die Hälfte der Bevölkerung aus und stellen immerhin 46 Prozent aller Erwerbstätigen. Zudem sind sie zunehmend berufstätig (2003: 62 Prozent; 2011: 71 Prozent). Dennoch wird seit vielen Jahren nur rund ein Drittel aller Gründungen von Frauen realisiert, wie das Institut für Mittelstandsforschung Bonn errechnet. Auch der KfW-Gründungsmonitor 2012 kommt, obwohl er auch die freiberuflichen Gründungen berücksichtigt, für 2011 nur auf etwa zwei Fünftel aller Gründungen.

Genauso gut wie Gründer

Als Gründe für die geringere Gründungsbereitschaft führt der KfW-Gründungsmonitor eine geringere Risikobereitschaft und einen weniger ausgeprägten Optimismus an. Außerdem weist er darauf hin, dass Frauen ihre eigene Befähigung zum Unternehmertum sowie die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für eine Gründung deutlich selbstkritischer als Männer einschätzen. Hier irren viele potenzielle Gründerinnen offenbar leider: Denn beim Vergleich der Zahlen erfolgreicher oder gescheiterter Gründungen gibt es, so der KfW-Gründungsmonitor, zwischen Männern und Frauen keinen Unterschied.

Gründung trotz Doppelbelastung Beruf/Familie

Viele berufstätige Frauen müssen immer noch mit der Doppelbelastung Beruf/Familie zurechtkommen. Diese Doppelbelastung kann, so der KfW-Gründungsmonitor, für potenzielle Gründerinnen ein gewichtiger Grund dafür sein, die Finger von einer Gründung zu lassen. Erwerbsunterbrechungen für Kindererziehung bedeuten bei einer selbständigen Tätigkeit im Vollerwerb empfindliche Einbußen.

Dennoch engagieren sich viele Mütter unternehmerisch, stellt die KfW-Studie „Chefinnen im Mittelstand: Unternehmerische Tätigkeit von Frauen“ (2011) fest. Bei den 30- bis 49-jährigen Frauen mit unter 15-jährigem Kind im eigenen Haushalt ist der Anteil der Selbständigen mit rund sechs Prozent genauso groß wie bei den gleichaltrigen Frauen ohne Kind. Dagegen gehen Mütter seltener einer abhängigen Beschäftigung nach als Frauen ohne Kind. In dieselbe Richtung weisen Erkenntnisse des Instituts für Mittelstandsforschung der Universität Mannheim. Hier hat man herausgefunden, dass Familienverantwortung zwar die Erwerbstätigkeit von Frauen beeinträchtigt, allerdings junge Kinder auch ein Anreiz für das Unternehmerinnen-Dasein sind. Immerhin: Frauen mit einem Kind unter drei Jahren sind mit doppelt so hoher Wahrscheinlichkeit selbständig wie Frauen ohne Kinder. Das heißt: Familiäre Pflichten können Anlass zum Schritt in die Selbständigkeit sein, da man die Arbeit hier oftmals flexibler einteilen kann als bei einer Festanstellung.

Mehr Zeit durch Nebenerwerbsselbständigkeit

Nebenerwerbsgründungen sind selbständige Tätigkeiten, die in der Regel in Teilzeit und häufig in Kombination mit einer weiteren beruflichen Tätigkeit ausgeübt werden. Von ihnen ist dann die Rede, wenn Gründerinnen oder auch Gründer hauptberuflich z. B. Angestellter oder Hausfrau und „im Nebenberuf“ selbständig sind. Nebenerwerbsgründungen werden vor allem dann in Erwägung gezogen, wenn Frauen familiäre Pflichten zu erfüllen haben. So gründen laut KfW-Gründungsmonitor Frauen nur im Vollerwerb seltener als Männer. Im Nebenerwerb gründen sie genauso häufig wie sie. Der Grund für dieses Ergebnis liegt auf der Hand: Viele Frauen versuchen, die Familie mit einer selbständigen beruflichen Tätigkeit zu vereinbaren.

Selbständigkeit als Teil der Lebensplanung

Wie sehr diese Vereinbarkeit von Familie und Beruf den beruflichen Alltag von Frauen bestimmt, und wie viel Engagement die Familie dabei verlangt, erkennt man beispielsweise, wenn man – wie das Institut für Mittelstandsforschung der Universität Mannheim – die Arbeitszeiten von jungen Unternehmerinnen unter die Lupe nimmt. Selbständige Frauen arbeiten nach dessen Erkenntnissen zwar um einiges mehr als Arbeitnehmerinnen. Aber im Vergleich zu den männlichen Selbständigen liegt ihr berufliches Arbeitspensum auf einem eher niedrigen Level. Weit über die Hälfte der selbständigen Frauen arbeitet – für Unternehmer eher ungewöhnlich – höchstens 40 Stunden in der Woche, fast ein Drittel höchstens 30 Stunden. Die übrige Zeit gehört der Familienarbeit. Diese Zeiteinteilung ist zentraler Teil der Lebensplanung vieler Frauen, zu der auch der Schritt in die Selbständigkeit zählt.

Bei dieser Lebensplanung streben Frauen häufiger als Männer ein Gleichgewicht ihrer beruflichen und privaten Lebensbereiche an und sind im Durchschnitt weniger karriereorientiert, so die KfW in ihrer Studie „Chefinnen im Mittelstand“ (2011). Sie stellt zudem fest, dass Frauen im Vergleich zu Männern Erfolg weniger stark über sozialen Status und Einkommen definieren, sondern an einer höheren Work-Life-Balance und der Zufriedenheit mit ihrer gesamten Lebenssituation festmachen. Gründerinnenberaterinnen bestätigen: Während für Männer der Schritt in die Selbständigkeit in erster Linie eine berufliche Entscheidung bedeutet, steht bei Frauen dahinter eher eine Lebensstrategie. Selbständigkeit ermöglicht ihnen vielfach erstmals einen maßgeschneiderten Arbeitsplatz. Nur so sind sie in der Lage, alle ihre Aufgaben als Partnerin, Mutter, Hausfrau und Unternehmerin „unter einen Hut“ zu bekommen.

Branchen von Gründerinnen und Gründern

Frauen gründen am häufigsten im Bereich der persönlichen Dienstleistungen (z. B. in den Bereichen Bildung, Gesundheitswesen oder Unterhaltung): Das belegt die KfW in ihrer Studie „Gründerinnen – Frauen als eigene Chefs“ (2011). Männer siedeln ihre Projekte meist im Bereich der wirtschaftlichen Dienstleistungen an. Die Studie nennt dafür zwei Gründe. Erstens: Persönliche Dienstleistungen erlauben eine reduzierte Stundenzahl,

„funktionieren“ auch im Nebenerwerb und lassen mehr Zeit, z. B. für die Familie. Zweitens: Gründungen im Bereich der persönlichen Dienstleistungen erfordern ein geringeres Startkapital.

(Quelle: GründerZeiten 03, BMWi, Berlin)
(Bildnachweis: 58862247_©-stockyimagesn – Fotolia.com)

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