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Soziales Unternehmertum – Finanzierung von Sozialunternehmen

Magnet und StahlkugelnEine nachhaltige Rentabilität ist durchaus das Ziel der allermeisten Sozialunternehmen. Nicht jedes schafft es, sich von Geldgebern unabhängig zu machen. Viele benötigen neben eigenen Einnahmen auch zusätzliches Geld aus öffentlichen Förderprogrammen, durch Stiftungsgelder oder etwa Spenden.

Vorteil: Sozialunternehmen haben viele Finanzierungsmöglichkeiten, deutlich mehr als andere Unternehmen. So kann der „normale“ Unternehmensgründer z. B. nicht an Stiftungen herantreten, weil er praktisch nie gemeinnützig arbeitet, sondern immer gewerblich. Nachteil: Für Sozialunternehmen ist es nicht immer leicht, in Frage kommende Geldquellen zu identifizieren und einen passenden Mix für das Vorhaben zusammenzustellen.

Finanzierung

Spenden

Es sind insbesondere Privatpersonen, die Kapital für Sozialunternehmen zur Verfügung stellen. Dabei handelt es sich um „geschenktes Geld“, das zuweilen aber zweckgebunden sein kann. Spenden gibt es erfahrungsgemäß bis zu 50.000 Euro. Die Spender sind dabei völlig frei in der Wahl ihrer Spendenempfänger. Aus steuerlichen Gründen empfiehlt sich für Sozialunternehmen, die Spenden erhalten möchten, eine gemeinnützige Rechtsform (Verein, gGmbH). Und nur bei gemeinnützigen Empfängern können Spender eine Spendenquittung erhalten.

Stiftungen

Stiftungen sind institutionelle Akteure, die Spenden verteilen. Es gibt einige Stiftungen, die Sozialunternehmen unterstützen. Beispiele: BMW Stiftung, Haniel Stiftung, Robert Bosch Stiftung, Siemens Stiftung, Stiftung Mercator, Vodafone Stiftung Deutschland. Stiftungen sind üblicherweise mit einem Kapitalstock ausgestattet, aus dessen Erträgen sie Vorhaben durch Spenden finanzieren. Da sie das Stiftungskapital investieren, um Erträge zu erwirtschaften, besteht zudem die Möglichkeit, Darlehen aus dem Kapitalstock einer Stiftung zu erhalten. Dies ist nicht nur für die Sozialunternehmen, sondern auch für die Stiftungen interessant, da sie so auch ihr Kapital im Sinne der Stiftung „arbeiten lassen“ können. Stiftungen können darüber hinaus Bürgschaften übernehmen. Die zu fördernden Vorhaben müssen der Stiftungssatzung entsprechen. Sie legt fest, für welche Zwecke eine Stiftung ihr Geld ausgeben darf. Um Spenden empfangen zu können, müssen die Empfänger gemeinnützig sein. Bei Darlehen und Bürgschaften gibt es diese Einschränkung nicht. www.stiftungen.org

Unternehmen

Viele Unternehmen fördern Sozialunternehmen im Rahmen ihrer CSR-Maßnahmen. Beispiele: Boehringer-Ingelheim, ERGO, Haniel, Generali Versicherungsgruppe (Generali Zukunftsfonds), Telefonica, SAP. In den meisten Fällen geht es hier um Spenden. Die Spendenempfänger müssen dabei zum CSR-Ziel des jeweiligen Unternehmens passen. Einige Unternehmen erwarten eine gemeinnützige Organisationsform.

Banken

Auch Sozialunternehmen können „normale“ Bankkredite zu marktüblichen Bedingungen erhalten. Für eine Reihe von Banken ist dabei die Art des Investments ein Schlüssel für die Kreditvergabe. Beispiele: Bank für Sozialwirtschaft, Ethik-Bank, GLS-Bank, Umweltbank, Triodos Bank. Ob ein Kredit gewährt wird und in welcher Höhe, hängt von der Bonität des Kreditnehmers ab: also seinen Sicherheiten oder Bürgschaften. Die Kreditvergabe ist weitgehend unabhängig von der Rechtsform.

Leih-Schenkgemeinschaften

Auch wenn Sozialunternehmen langfristig gebundene Spender haben, können sie ihr Spenden-Einkommen bei einer Bank nicht als Eigenkapital einsetzen, um einen Kredit zu erhalten. Um Sozialunternehmen mit dem nötigen Eigenkapital auszustatten, können sich Leih-Schenkgemeinschaften (maximal ca. 30 Personen) zusammenfinden. Jedes Mitglied verpflichtet sich, über einen bestimmten Zeitraum (z. B. fünf Jahre) monatlich einen bestimmten Betrag zu spenden. Die Spender schließen einen Vertrag mit der GLS-Bank, die die Spenden einzieht. Die Gesamtsumme stellt sie dem Sozialunternehmen sofort (ohne Gewinnmarge) zur Verfügung. Die GLS-Bank gibt den Gesamtbetrag der Leih-Schenkgemeinschaft als Spende. Auf jedes Mitglied entfällt ein Beitrag zwischen 500 und 3.000 Euro. Die Verträge der Mitglieder müssen zum gleichen Zeitpunkt beginnen und die gleiche Laufzeit haben. Die GLS-Bank finanziert auf diesem Wege nur gemeinnützige Organisationen. www.gls.de

Crowdfinanzierung

Bei der Crowdfinanzierung stellen Gründer oder Unternehmer ein Vorhaben auf einer spezialisierten Internetseite vor. Nutzer dieser Seiten (= Crowd, engl. = Menschenmenge), die Interesse an diesem Vorgaben finden, stellen für dessen Realisierung mehr oder minder kleine Geldbeträge zur Verfügung. Da diese Geldgeber vielfach auch die ersten Kunden sind, tragen sie durch ihr Feedback dazu bei, ein Geschäftsmodell immer mehr den Kundenwünschen anzupassen. Für Gründerinnen und Gründer hat eine Crowdfinanzierung den Vorteil, dass die Investitionssumme für den einzelnen Investor vergleichsweise gering ist (zwischen 50 und 1.000 Euro). Daher ist die Chance, zahlreiche interessierte Investoren zu finden, relativ groß.

Crowdfunding: Beim Crowdfunding versuchen Akteure, Geld für ein Projekt oder Werk zu bekommen. Dabei geht es in aller Regel um soziale, kulturelle, künstlerische oder ökologische Projekte. Als Gegenwert erhalten die Kapitalgeber kein Geld. Sie werden stattdessen im Impressum genannt, erhalten Eintrittskarten, eine fertige CD usw.

Crowdinvesting: Beim Crowdinvesting beteiligen sich Investoren und/oder Kleinanleger an jungen Unternehmen. Sie erwerben stille Beteiligungen mit Laufzeiten zwischen drei und acht Jahren und sind damit an möglichen Gewinnen sowie Verlusten und am Wachstum des Unternehmens beteiligt.

Crowddonating: Beim Crowddonating wird eine Spende getätigt. Das bedeutet, dass der Geldgeber keinerlei finanzielle Interessen verfolgt. Das Crowddonating-Modell eignet sich daher am ehesten für Sozialunternehmen.

(Quelle: GründerZeiten 27, BMWi, Berlin)
(Bildnachweis: ©-psdesign1 – Fotolia.com)

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