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Soziales Unternehmertum – Geschäftsideen entwickeln, Teil I

neue ideenGeschäftsideen für Sozialunternehmen knüpfen dort an, wo gesellschaftlich etwas „schiefläuft“. Sie zu entwickeln ist vielfach eine besondere kreative Herausforderung. Dafür gibt es zwei Gründe: Sie sind nicht wie „klassische“ Geschäftsideen unmittelbar lukrativ. Sonst würde sehr wahrscheinlich schon jemand damit „Geld machen“. Und: Eine einfache Lösung für die gesellschaftliche „Schieflage“, um die es geht, ist nicht in Sicht. Sonst gäbe es sie bereits.

Dass es sie (noch) nicht gibt, liegt daran, dass Sozialunternehmer oft in schwierigen gesellschaftlichen Bereichen „unterwegs“ sind, die nicht wie klassische Märkte nach Angebot und Nach-frage funktionieren. Beispiel: Wiedereingliederung von straffälligen Jugendlichen. Wer hier ein Geschäftsmodell schaffen will, muss zunächst die Frage beantworten: Wie kann man diesen Jugendlichen zu besseren Zukunftschancen verhelfen? Einige weitere Fragen sind mindestens genauso wichtig: Wer bezahlt dafür? Reicht der Gewinn aus, um die Finanzierung aller Wiedereingliederungsaktivitäten langfristig „auf eigene Füße“ zu stellen?

Soziale Herausforderung erkennen

Die Erfahrung zeigt: Die meisten Impulse dafür, ein Sozialunternehmen zu starten, kommen aus dem beruflichen oder privaten Umfeld der Gründerinnen und Gründer. Dabei geht es beispielsweise um die Lage von Arbeitslosen, Drogenabhängigen, Menschen mit Behinderungen oder Migranten. Eine große Rolle spielen auch Umweltbeeinträchtigungen, von denen viele Menschen gleichermaßen betroffen sind. Diese Fragen sollten Sie beantworten:

  • Welches Problem soll gelöst werden?
  • Wer ist unmittelbar/mittelbar betroffen?

Ideenpool: Für diejenigen, die ohne diese eigene Erfahrung noch auf der Ideensuche sind: Als Orientierungshilfe können die Millennium-Entwicklungsziele dienen. Sie wurden im September 2000 von Staats- und Regierungschefs aus 189 Ländern bei dem bis dahin größten Gipfeltreffen der Vereinten Nationen in New York beschlossen. Es handelt sich um globale humanitäre Herausforderungen, die ohne neuartige Lösungswege nicht bewältigt werden können.

Herausforderung nachfühlen

Gründungsberater von Sozialunternehmen raten: Wenn Sie einer Idee auf der Spur sind, sollten Sie die Zielgruppe, die Sie unterstützen wollen, genau kennen-lernen und sich in deren Gefühlslage hinein versetzen. Das klingt banal, ist aber oftmals entscheidend: Denn es ist nicht nur für Ihre Zielgruppe wichtig, sondern auch für Sie. Auf diese Weise entsteht die emotionale „Ladung“, die Ihren unternehmerischen Motor in Zukunft in Gang halten wird. Diese Fragen sollten Sie beantworten:

  • Warum ist es für Sie sinnvoll, eine Lösung für dieses Problem zu finden?
  • Was geschieht, wenn Sie keine Lösung finden?

Ursachen für gesellschaftliches Problem ergründen

Wer seiner Zielgruppe helfen will, muss an der richtigen Stelle ansetzen. Dafür muss man den Problemhintergrund kennen. Diese Frage sollten Sie beantworten:

  • Welches ist die Ursache für das gesellschaftliche Problem?

Rahmenbedingungen für Problem erkunden

Anders als in klassischen Märkten spielt das Thema Konkurrenz für Sozialunternehmen eher keine Rolle. Sehen Sie Akteure, die sich um dieselbe soziale Herausforderung kümmern, in erster Linie als potenzielle Kooperationspartner, nicht als Konkurrenten. Denn klar ist: Als Einzelkämpfer wird man soziale Probleme kaum lösen können. Man braucht vielmehr starke Partner sowie finanzielle Förderer. Und auch wenn Sozialunternehmen, die Gewinne machen wollen, auf Konkurrenten achten müssen: Die Gefahr durch Wettbewerber ist gering, da die meisten Sozialunternehmen auch soziale Innovatoren sind, die alte Pfade verlassen und neue beschreiten. Diese Fragen sollten Sie beantworten:

  • Wer hat sich bereits mit der Lösung für das gesellschaftliche Problem beschäftigt?
  • Mit welchem Fokus? Was lassen die anderen unbeachtet?
  • Existieren erfolgreiche Lösungsansätze? Was macht sie (nicht) erfolgreich?
  • Setzen diese Lösungsansätze tatsächlich an der Ursache des Problems an? Welche Lösungsansätze werden noch nicht beachtet?
  • Warum wäre es vielversprechend, einen anderen Lösungsansatz zu verfolgen?
  • Welche Kompetenzen sind notwendig? Über welche Kompetenzen verfügen Sie?
  • Welche Werte sind notwendig?
  • Welche Werte vertreten Sie?

(Quelle: GründerZeiten 27, BMWi, Berlin)
(Bildnachweis: ©-contrastwerkstatt – Fotolia.com)

Ein Gedanke zu “Soziales Unternehmertum – Geschäftsideen entwickeln, Teil I

  1. Hallo und vielen Dank für den sehr informativen Beitrag. Ich habe persönlich festgestellt, dass wenn man unter Geisteswissenschaftlern immer sehr viele und gute Ideen im sozialen Bereich entwickeln kann. Bei der Umsetzung und Realisierung der Projekte gibt es jedoch öfters Probleme vor allem, wenn es um die Finanzen oder die bürokratischen Hürden einer Existenzgründung geht. Diesen Aspekt sollte man nicht vernachlässigen.
    Liebe Grüße
    Claudia Freud

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