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Existenzgründungen durch Migranten – Besonderheiten

USA and EU flagGründerinnen und Gründer mit Migrationshintergrund sind nicht schlechter und nicht besser vorbereitet als deutschstämmige Newcomer. Diese Erfahrung hat der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) gemacht. Das kaufmännische Rüstzeug beherrschen sie, so der DIHK, im Schnitt sogar etwas besser. Dennoch stehen Migranten und Migrantinnen vor einer Reihe von Herausforderungen, die anderen angehenden Selbständigen eher erspart bleiben.

Sprache

Nicht jede Gründerin und jeder Gründer mit Migrationshintergrund beherrscht die deutsche Sprache gut. Deutsche Sprachkenntnisse sind aber eine wichtige Ressource für die Planung und Umsetzung des Gründungsvorhabens. Wie sonst können alle Informationen genutzt werden, die für die Gründungsvorbereitung wichtig sind? Wie sonst lässt sich feststellen, was die (deutschsprachigen) Kunden möchten? Wie soll das Konzept gegenüber der Bank erklärt werden? Wie kann mit Ämtern und Behörden kommuniziert werden?

Tipp: Bei Ihren Gründungsvorbereitungen sollten Sie daher als Erstes kritisch prüfen, ob Ihre deutschen Sprachkenntnisse ausreichen. Falls nicht: Besuchen Sie einen Sprachkurs. Lassen Sie sich von Verwandten, Freunden oder auch einem Dolmetscher helfen.

Beratung

Die Mehrheit der migrantischen Gründerinnen und Gründer wünscht eine Beratung und ist für eine externe Unterstützung offen. Dennoch nehmen sie seltener als andere Gründerinnen und Gründer öffentliche Informationsquellen und Beratungsdienste in Anspruch: etwa die Angebote der Kammern oder Fachverbände. Dasselbe gilt für verfügbare Internetportale oder Broschüren. Viele informieren sich ausschließlich bei Freunden und Bekannten darüber, was sie beachten müssen, wenn sie sich selbständig machen. Wenn sie sich beraten lassen, dann vor allem durch Unternehmens- oder Steuerberater bzw. Rechtsanwälte. Dabei verfügen sie meist über stabile soziale Netzwerke in ihren „Communities“, in denen sie Unterstützung finden: z. B. zum Thema „Formalitäten“, durch Kredite für das Startkapital oder bei der Rekrutierung von Mitarbeitern.

Tipp: Nutzen Sie die vielen meist kostenlosen Informations- und Beratungsangebote der Kammern oder Fachverbände. Sie stehen allen Gründerinnen und Gründern offen. Fragen Sie Verwandte oder Freunde nach ihren Erfahrungen.

Kultur

Viele erfolgreiche Geschäftsideen von Migranten hängen unmittelbar mit ihrem migrantischen Hintergrund zusammen. Insbesondere die Doppelkenntnisse vieler Gründerinnen und Gründer in Kultur und Sprache werden zum Alleinstellungsmerkmal. Am bekanntesten sind die Beispiele aus der Gastronomie: Italienische, türkische, indische, thailändische und viele andere Restaurants von ausländischen Mitbürgern gehören mittlerweile ganz selbstverständlich zum gastronomischen Angebot deutscher Städte. Dabei bieten sie selten genau die „Küche“ an, die man in ihren Heimatländern antreffen würde. Sie wäre für den deutschen Gaumen oft zu fremd.

Tipp: Voraussetzung für den Erfolg ist, dass Sie Ihre Geschäftsideen mit den Kundenwünschen in Deutschland und der deutschen Kultur in Einklang bringen. Dazu gehört auch, dass Sie als Unternehmerin oder Unternehmer wissen müssen, wie sich Geschäftspartner und Konkurrenten verhalten, was sie denken und fühlen.

Stärken und Schwächen

Ein guter Businessplan sollte die Stärken und Schwächen der Gründerin oder des Gründers und ihres Vorhabens enthalten. Über sie möchten Berater und Geldgeber informiert sein. Viele Migranten empfinden „Eigenwerbung“ aber als unglaubwürdig. Anderen fällt es schwer, sich mit ihren Schwächen „bloßzustellen“. Hinzu kommt: Menschen mit Migrationshintergrund sehen den Businessplan eher als Hausaufgabe für den Berater bzw. als Kontrollinstrument für die Banken.

Tipp: Auch wenn Sie die deutsche Offenheit nicht selten überrascht, sollten Sie verstehen, dass diese vieles einfacher macht. Versuchen Sie, Ihre unternehmerischen Stärken einzusetzen. Sehen Sie Ihre Schwächen nicht als persönlichen Fehler. Wenn Sie diese ansprechen, erfahren Sie im Austausch mit Ihrem Beratungspartner, wo Sie Ihren Businessplan noch nachbessern müssen, damit Ihr Unternehmen erfolgreich sein wird.

(Quelle: GründerZeiten 10, BMWi, Berlin)
(Bildnachweis: ©-meshmerize – Fotolia.com)

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