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Freie Berufe – Rechtsformen

Selbständig #120204-007Wenn Sie sich als Freiberuflerin oder Freiberufler selbständig machen, braucht Ihr Unternehmen eine Rechtsform. Für welche Rechtsform Sie sich entscheiden sollten, hängt davon ab, was die Rechtsform für Sie leisten soll.

Einzelunternehmen

  •  Es ist etwas für Einzelkämpfer und für den Einstieg in die freiberufliche Selbständigkeit gut geeignet.
  • Die Gründung eines Einzelunternehmens ist schnell und einfach zu bewerkstelligen. Das Einzelunternehmen entsteht praktisch automatisch, wenn man eine freiberufliche Tätigkeit startet und keine andere Rechtsform gewählt hat. Ein freiberufliches Einzelunternehmen muss nicht ins Handelsregister oder Partnerschaftsregister eingetragen werden. Auch ein Mindeststammkapital in einer bestimmten Höhe ist nicht erforderlich.
  • Bei Haftungsansprüchen an das Unternehmen haftet der Einzelunternehmer mit seinem gesamten Privatvermögen.

Die Einzelunternehmung ist mit Abstand die häufigste Rechtsform in Deutschland. Kein Wunder: Mit ihr kann man schnell starten. Und viele Gründerinnen und Gründer, gerade auch Freiberufler, starten allein.

Bürogemeinschaft oder Praxisgemeinschaft

  • Sie ist keine echte Rechtsform.
  • Es gibt keinerlei unternehmerische Anbindung an Kooperationspartner. Jeder arbeitet für sich allein und jeder braucht dafür z. B. ein eigenes Firmenschild an der Bürotür oder draußen am Hauseingang.

Bei einer solchen Bürogemeinschaft oder auch bei einer Praxisgemeinschaft geht es vor allem darum, Büro- oder Praxisräume gemeinsam zu nutzen, Mitarbeiter (z. B. eine Bürokraft) gemeinsam zu beschäftigen und so Kosten zu sparen.

Je nachdem, wie die Arbeit in einer solchen Büro- oder Praxisgemeinschaft organisiert ist oder sich eine Zusammenarbeit entwickelt, befindet man sich hart an der Grenze zur Gesellschaft bürgerlichen Rechts, der GbR. Oder schon darüber hinaus.

Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR)

  • Die GbR ist für den Fall gedacht, dass mindestens zwei Personen zusammenarbeiten wollen. Wie weit die Gesellschafter hier gemeinsam arbeiten, kann unterschiedlich sein: angefangen bei der gemeinsamen Außendarstellung, z. B. durch einen gemeinsamen Firmennamen oder einheitliche Geschäftspapiere, bis zur gemeinsamen Bearbeitung von Aufträgen.
  • Auch die GbR ist schnell und einfach zu gründen. Sie entsteht bereits, sobald sich die Gesellschafter für ihr gemeinsames Vorhaben zusammentun. Die GbR muss nicht ins Handelsregister oder Partnerschaftsregister eingetragen werden. Ein Mindeststammkapital ist nicht notwendig.
  • Jeder Gesellschafter haftet bei Haftungsansprüchen an die Gesellschaft mit seinem gesamten Privatvermögen.
  • Ein schriftlicher Gesellschaftsvertrag muss nicht sein (ist aber empfehlenswert).

Übrigens: Wenn Rechtsanwälte oder Steuerberater unter dem Dach einer GbR arbeiten, heißt diese dann Sozietät.

Partnerschaftsgesellschaft (PartG)

  • Die Partnerschaftsgesellschaft kommt – wie die GbR – für alle Freiberufler in Frage, die mit Partnern kooperieren wollen.
  • Wie bei der GbR haften die Partner für Verbindlichkeiten der Partnerschaft gesamtschuldnerisch und persönlich. Allerdings nicht in jedem Fall, die Haftung ist beschränkt: War nur ein Partner oder waren nur einzelne Partner mit der Bearbeitung eines Auftrags befasst, haften nur sie für daraus entstandene berufliche Fehler.

Der Vertrag zwischen den Partnern muss notariell beglaubigt werden. Die Gesellschaft muss in das Partnerschaftsregister – in der Regel beim Amtsgericht – eingetragen werden. Ein Mindeststammkapital ist nicht nötig.

Einige freie Berufe (z. B. Rechtsanwälte) dürfen sich nur mit bestimmten Berufsangehörigen in einer Partnerschaftsgesellschaft zusammenschließen (Rechtsanwälte oder Steuerberater).

Ein aktueller Gesetzentwurf sieht die Partnerschaftsgesellschaft mit beschränkter Berufshaftung vor, wenn es zu beruflichen Fehlern kommt. Sie ist insbesondere für Kanzleien und andere freiberufliche Zusammenschlüsse gedacht, in denen die Partner hoch spezialisiert in Teams zusammenarbeiten. Voraussetzung für die Haftungsbeschränkung ist der Abschluss einer Haftpflichtversicherung. Mit einem Inkrafttreten kann Anfang 2013 gerechnet werden.

Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH)

  • Freiberufler können eine GmbH entweder allein oder mit weiteren Gesellschaftern gemeinsam gründen.
  • Bei der GmbH ist die Haftung bei Haftungsansprüchen an die Gesellschaft auf das Gesellschaftsvermögen beschränkt. Die Gesellschafter haften dafür nicht mit ihrem Privatvermögen (für Kredite allerdings schon).
  • Dafür ist die GmbH deutlich aufwändiger zu gründen und zu führen als eine GbR oder eine Partnerschaftsgesellschaft. Der Gesellschaftsvertrag muss notariell beglaubigt werden. Die GmbH muss ins Handelsregister eingetragen werden. Zur Gründung muss ein Stammkapital von mindestens 25.000 Euro aufgebracht werden.
  • Eine GmbH ist immer gewerblich. Das bedeutet: Besonderheiten der Freiberuflichkeit wie die Befreiung von der Gewerbesteuer gelten für sie nicht. Eine GmbH ist außerdem verpflichtet, jedes Geschäftsjahr mit einer Gewinn-und-Verlust-Rechnung plus Bilanz abzuschließen.
  • Nicht alle Freiberufler dürfen eine GmbH gründen. So sollte man vor allem bei den berufs- und standesrechtlich geregelten freien Berufen klären, ob die GmbH zugelassen ist.

Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) (UG)

Die UG (haftungsbeschränkt) ist die „kleine Schwester“ der GmbH. Für die gilt, was auch für die GmbH typisch ist. Der Unterschied ist: Man kann die Gründungsformalitäten mithilfe eines Musterprotokolls deutlich reduzieren. Und man kann die UG schon mit einem Euro Stammkapital gründen. Da aus der UG im Laufe der Jahre eine „richtige GmbH werden soll, muss man Rücklagen bilden. D. h. ein Viertel des Jahresgewinns muss so lange zurückgelegt werden, bis 25.000 Euro Gesellschaftsvermögen erreicht sind. Die Rücklage kann langsam über viele Jahre gebildet werden. Es gibt hier kein zeitliches Limit.

(Quelle: GründerZeiten 17, BMWi, Berlin)
(Bildnachweis:  ©-FM2 – Fotolia.com)

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