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Freie Berufe – Das Finanzamt entscheidet

RechtFinanzamt entscheidet

Viele typische Freiberufler wie Rechtsanwälte oder Architekten haben keinen Zweifel daran, dass sie Freiberufler sind. Für eine ganze Reihe von Tätigkeiten trifft diese Zuordnung das Finanzamt. Je nachdem, wie diese Zuordnung ausfällt, wird man als Freiberufler oder Gewerbetreibender geführt und behandelt. Dabei ist diese Entscheidung auch für die Finanzverwaltung keinesfalls einfach: Denn viele berufliche Tätigkeiten weisen sowohl Merkmale der freien als auch der gewerblichen Berufe auf. Ganz allgemein gilt: Steht die geistige schöpferische Arbeit im Vordergrund, geht die Finanzverwaltung meist von einer freiberuflichen Tätigkeit aus.

Eine erste Einstufung als Freiberufler bedeutet aber nicht, dass damit eine endgültige Entscheidung gefallen wäre. Die kommt in vielen Fällen erst viel später: bei einer Betriebsprüfung. Achtung: Es kann sehr teuer werden, wenn man Sie nachträglich als Gewerbetreibenden einstuft und Sie dann Gewerbesteuer nachzahlen müssen. Also lassen Sie sich schon zum Start beraten, ob Sie wohl als Freiberufler anerkannt werden oder nicht. Und legen Sie – wenn dies unklar ist – vorsichtshalber Geld für eine Steuernachzahlung zurück.

Einkommensteuergesetz

Finanzamt und auch Betriebsprüfer stützen sich bei ihren Entscheidungen vor allem auf das Einkommensteuergesetz. Es unterscheidet in § 18 Absatz 1 ganz konkrete freiberufliche Tätigkeitsgruppen und legt damit fest, wer zu den freien Berufen zählt. Es unterscheidet zwischen den so genannten Katalogberufen, den Tätigkeitsberufen und den ähnlichen Berufen, die den Katalogberufen ähnlich sind.

Katalogberufe

Die Katalogberufe sind sozusagen die klassischen freien Berufe, die als erste im Einkommensteuergesetz aufgelistet wurden. Zu den Katalogberufen gehören

  • die Heilberufe: also Ärzte, Zahnärzte, Tierärzte, Heilpraktiker, Dentisten, Physiotherapeuten
  • die rechts-, steuer- und wirtschaftsberatenden Berufe: Dazu zählen Rechtsanwälte, Patentanwälte, Notare, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Steuerbevollmächtigte, beratende Volks- und Betriebswirte oder vereidigte Buchprüfer
  • die naturwissenschaftlichen und technischen Berufe: Das sind Vermessungsingenieure, Ingenieure, Handelschemiker, Architekten, Lotsen
  • die informationsvermittelnden und sprachlichen Berufe: Journalisten, Bildberichterstatter, Dolmetscher oder Übersetzer
  • zusätzlich die im Partnerschaftsgesellschaftsgesetz (PartGG) genannten vier selbständig ausgeübten Berufsbilder Diplom-Psychologe, Heilmasseur, Hebamme, Hauptberuflicher Sachverständiger.

Ähnliche Berufe und Tätigkeitsberufe

Dass es diese zusätzlichen Gruppen der freien Berufe gibt, liegt daran, dass die Zeit nicht stillsteht und fortwährend neue Berufsbilder entstehen.

Ähnliche Berufe: Sie heißen so, weil sie den Katalogberufen ähnlich sind. Damit ist gemeint: Die Ausbildung oder auch die konkrete berufliche Tätigkeit müssen mit einem Katalogberuf vergleichbar sein. Das ist z. B. bei einem gelernten Elektrotechniker so, der sich fortgebildet hat und Arbeiten verrichtet, die normalerweise ein Ingenieur ausführt. Oder bei einer Sozialpädagogin, die nach Fortbildungen in der Familientherapie tätig ist. Das dürfen sonst nur diplomierte Psychologen.

Tätigkeitsberufe: Sie zeigen im Arbeitsalltag die typischen Merkmale einer freiberuflichen Tätigkeit. Zu den Tätigkeitsberufen zählen wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende und erzieherische Tätigkeiten. Immer vorausgesetzt, sie werden selbständig ausgeübt.

  • Zu den wissenschaftlichen Tätigkeiten wird gerechnet, wenn man z. B. methodisch nach streng objektiven und sachlichen Gesichtspunkten forscht, Gutachten erstellt oder eine Prüfungs- und Lehrtätigkeit ausübt.
  • Bei künstlerischen Tätigkeiten wird diejenige als freiberuflich anerkannt, die eine eigene schöpferische Leistung erkennen lässt und die eine bestimmte künstlerische Gestaltungsqualität aufweist.
  • Unter einer schriftstellerischen Tätigkeit versteht man, eigene Texte für die Öffentlichkeit zu verfassen. Schriftsteller ist danach auch derjenige, der Werbetexte schreibt, Literatur übersetzt oder einen juristischen Informationsdienst heraus gibt.
  • Unterrichtende Tätigkeiten umfassen die Unterrichtserteilung unterschiedlichster Art. Eine amtliche Qualifikation ist dafür nicht nötig. Entscheidend ist, dass der Unterrichtende die notwendigen Kenntnisse und Fertigkeiten besitzt. Zu den unterrichtenden Tätigkeiten zählen daher auch Sport und Gymnastikunterricht, Reitunterricht, Tanzunterricht und der Fahrunterricht in einer Fahrschule.
  • Bei erzieherischen Tätigkeiten geht es im weitesten Sinne um die körperliche, geistige und charakterliche Formung von jungen Menschen: Beispiele dafür sind die Kindertagespflege, in eigener Regie geführte Kitas oder spezielle pädagogische Angebote wie ein „Naturpädagogisches Zentrum“.

Gemischte Tätigkeiten

Knifflig wird es, wenn ein Selbständiger bei seiner Arbeit sowohl freiberufliche als auch gewerbliche Anteile hat. Bei den trennbar gemischten Tätigkeiten gibt es zwar einen Zusammenhang zwischen der freiberuflichen und der gewerblichen Tätigkeit. Jedoch sind beide nicht so eng miteinander verflochten, dass die eine ohne die andere nicht mehr funktionieren würde. Beispielsweise bei einem Architekten, der zusätzlich noch als Immobilienmakler Geld verdient. Oder einem Augenarzt, der zusätzlich zu seiner ärztlichen Tätigkeit Kontaktlinsen verkauft. In diesem Fall behandelt das Finanzamt beide Tätigkeiten getrennt voneinander. Dafür verlangt es nicht selten eine getrennte Buchführung und eine Trennung der Steuererklärung für den freiberuflichen sowie für den gewerblichen Teil der beruflichen Aktivitäten.

Im Unterschied zu den trennbar gemischten sind untrennbar gemischten Tätigkeiten so unauflöslich miteinander verflochten, dass die eine ohne die andere kaum denkbar ist. Dies ist z. B. bei einer Tätigkeit in der PR-Beratung so. Hier können sowohl journalistische Tätigkeiten, z. B. das Schreiben von Pressemitteilungen (freiberuflich), als auch organisatorische Tätigkeiten (gewerblich) untrennbar miteinander verwoben sein. Wie sich das Finanzamt in diesem Fall entscheidet, hängt davon ab, ob die gewerbliche oder freiberufliche Komponente die gesamte Tätigkeit stärker prägt. Wenn sich die freiberufliche Tätigkeit aus der gewerblichen Betätigung ergibt, kann das Resultat sein, dass das Finanzamt die gesamten Berufsaktivitäten als Gewerbebetrieb wertet.

Selbständig oder nicht?

Man kann zwar als selbständiger Freiberufler beim Finanzamt geführt, aus Sicht des Rentenversicherungsträgers allerdings nicht als „echter“ Selbständiger gesehen werden. Das hat Folgen für die Beiträge zur Sozialversicherung. Wer kommt dafür auf? Als selbständig wird eingestuft, wer

  • das unternehmerische Risiko für seine Tätigkeit trägt – z. B. durch den Einsatz von Kapital,
  • frei über seine eigene Arbeitskraft verfügen kann,
  • seine Arbeit im Wesentlichen frei gestalten kann,
  • seine Arbeitszeit selbst einteilen kann,
  • seine Leistungen im eigenen Namen und auf eigene Rechnung erbringt,
  • eigenständig entscheidet z. B. über Einkaufs- und Verkaufspreise, die Einstellung von Personal usw.

Freiberufler erfüllen nicht automatisch alle diese Anforderungen. Das gilt speziell für diejenigen, die als freie Mitarbeiter für ihre Auftraggeber und oftmals auch nur für einen Auftraggeber arbeiten. Das kommt sogar sehr häufig vor, gerade beim Start in die Selbständigkeit. Unter diesen Umständen ist es möglich, dass sie keine „echten“ Selbständigen sind, sondern „Scheinselbständige“. Als „scheinselbständig“ gilt,

wer auf Dauer nur für einen Auftraggeber tätig ist,

  • mindestens fünf Sechstel seiner gesamten Umsätze aus der Tätigkeit für nur einen Auftraggeber bezieht,
  • kein unternehmerisches Risiko trägt (z. B. durch den Einsatz von Kapital),
  • nicht selbst unternehmerisch nach außen auftritt (keine eigene Werbung, kein eigenes Firmenschild, keine eigenen Geschäftsräume, kein eigenes Briefpapier oder Visitenkarten),
  • weisungsgebunden ist (man arbeitet auf Anordnung des Auftraggebers),
  • einen festen Arbeitsplatz in den Büroräumen des Auftraggebers hat,
  • feste Arbeitszeiten hat,
  • ein festes Monats- oder Wochenentgelt bezieht,
  • Anspruch auf bezahlten Urlaub hat.

Clearingstelle: Ob es sich um eine „Scheinselbständigkeit“ handelt, ist leider oft nicht leicht festzustellen und kann nur im konkreten Einzelfall entschieden werden. Dabei ist es übrigens ziemlich egal, was in Ihrem Vertrag mit einem oder mehreren Auftraggebern steht. Entscheidend ist die Art und Weise, wie dieser Vertrag gelebt wird. Wer seine Lage im Zweifelsfalle klären will, sollte das möglichst innerhalb eines Monats nach Aufnahme seiner Tätigkeit tun. Anlaufstelle für das so genannte Statusfeststellungsverfahren ist die Clearingstelle Deutsche Rentenversicherung Bund 10704 Berlin, Telefon: 030 8651 E-Mail: drv@drv-bund.de, www.deutsche-rentenversicherung-bund.de

(Quelle: GründerZeiten 17, BMWi, Berlin)
(Bildnachweis:  ©-Thomas-Jansa – Fotolia.com)

Ein Gedanke zu “Freie Berufe – Das Finanzamt entscheidet

  1. Ein Bekannter ist Architekt, ihn hatte ich auch gefragt wie es bei den freien Berufen aktuell ausschaut. Eine Selbständigkeit nach Kleinunternehmerregelung unterliegt bis auf ganz wenige Ausnahmen auch der IHK. Somit sind auch Beiträge an diese sehr wahrscheinlich. Ich finde das für ganz kleine Gewerbe eher hinderlich.

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