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Die Absicherung persönlicher Risiken

Taschenrechner und Geld - calculator and moneyDie Arbeitskraft von (jungen) Unternehmerinnen und Unternehmern ist ihr größtes Kapital. Die größte Gefahr besteht daher darin, dieses Kapital einzubüßen. Besonders wichtig sind daher alle Versicherungen, die existenzbedrohende Risiken abdecken. So sollte man sich unbedingt gegen denkbare Ereignisse versichern, die so hohe finanzielle Folgen haben können, dass man diese aus eigenen Mitteln nicht decken kann: wenn man z. B. durch Krankheit oder Unfall nicht mehr arbeiten kann.

Persönliche Versicherungen: Was? Wofür? Wogegen?

Altersvorsorge

Grundsätzlich gilt: Die Altersvorsorge sollte auf mehrere Beine gestellt werden. Neben der staatlichen Absicherung gibt es zwei weitere spezielle private Vorsorgemöglichkeiten:

  • die staatlich bezuschusste so genannte Riester-Rente für Arbeitnehmer sowie
  • die steuerlich geförderte so genannte Rürup-Rente für Selbständige.

Dazu kommen Kapitalanlageprodukte wie Aktien, Rentenpapiere, Fonds, Immobilien, Renten- und Lebensversicherungen sowie schließlich auch Einnahmen aus Unternehmensverkauf und Erbschaften.

Arbeitslosenversicherung

Selbständige, die sich freiwillig in der Arbeitslosenversicherung weiter versichern möchten, müssen vor Aufnahme ihrer Tätigkeit innerhalb der letzten

24 Monate mindestens 12 Monate in einem Versicherungspflichtverhältnis nach dem SGB III, z. B. einem Beschäftigungsverhältnis, gestanden haben. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um ein durchgehendes versicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis handelt oder ob einzelne Beschäftigungen zusammengerechnet werden. Kann diese versicherungspflichtige Zeit nicht oder nicht ausreichend nachgewiesen werden, wird auch der Bezug einer Entgeltersatzleistung wie z. B. Arbeitslosengeld als Voraussetzung akzeptiert. Der Antrag auf Weiterversicherung in der Arbeitslosenversicherung muss

innerhalb der ersten drei Monate der Selbständigkeit bei der Arbeitsagentur am Wohnort gestellt werden.

Berufsunfähigkeitsversicherung oder Erwerbsminderungsrente?

Private Versicherungen:

Es gibt sie in der Regel als Berufsunfähigkeits-/Zusatzversicherungen zur Lebens-, Renten- oder Risikolebensversicherung.

Gesetzliche Rentenversicherung:

Wer aus gesundheitlichen Gründen nur noch eingeschränkt oder überhaupt nicht mehr arbeiten kann, erhält eine gesetzliche Rente wegen Erwerbsminderung.

Voraussetzung: Es wurden innerhalb der letzten fünf Jahre vor Eintritt der Erwerbsminderung für mindestens 36 Monate Pflichtbeiträge in die gesetzliche Rentenversicherung gezahlt.

Im Unterschied zur privaten Berufsunfähigkeitsrente zahlt die gesetzliche Erwerbsminderungsrente nur für den Fall, dass der Versicherungsnehmer überhaupt keiner Tätigkeit mehr nachgehen kann – unabhängig von seiner Qualifikation und seinem zuletzt ausgeübten Beruf. Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente orientiert sich an einem Stufensystem:

  • Wer nur noch weniger als drei Stunden täglich arbeiten kann, erhält danach eine volle Erwerbsminderungsrente.
  • Wer drei bis unter sechs Stunden täglich arbeiten kann, erhält eine halbe Erwerbsminderungsrente

Die Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit werden in der Regel zeitlich befristet für die Dauer von drei Jahren gezahlt. Ist die Leistungsfähigkeit des Versicherten gleichbleibend eingeschränkt, wird die Zahlung auf Antrag fortgesetzt.

Ob gesetzlich versichert oder nicht:

In jedem Fall sollten Sie prüfen, ob auch eine private Berufsunfähigkeitsversicherung für Sie sinnvoll ist. Das hängt auch von der Art Ihrer selbständigen Tätigkeit ab. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist oft wichtiger als eine Unfallversicherung, denn die häufigsten Ursachen für Berufsunfähigkeit entstehen aufgrund von Krankheiten und nicht durch Unfälle. Wichtig ist dabei die Dauer der Rentenzahlung. Sie sollte vertraglich so vereinbart werden, dass sie einen fließenden Übergang zur Altersrente ermöglicht. Festgelegt werden muss auch, ab welchem Grad der Berufsunfähigkeit die Versicherungszahlung einsetzen soll.

Dread Disease (DD)

Diese Versicherung (auf Deutsch: Schwere-Krankheiten-Vorsorge) zahlt die vereinbarte Versicherungssumme aus, wenn schwere Erkrankungen auftreten. Zu diesen gehören z. B. Krebserkrankung, Herzinfarkt, Schlaganfall, Multiple Sklerose, Erblindung, Taubheit oder schwere Verbrennungen.

Krankenversicherung

Selbständige sind, wie alle Bürgerinnen und Bürger, verpflichtet, sich entweder über eine gesetzliche oder private Krankenversicherung abzusichern. Die Krankenversicherung sollte es dem Versicherten und seinen Familienangehörigen ermöglichen, bei Krankheit und Unfall ausreichende Hilfe durch Ärzte, Zahnärzte, Krankenhäuser sowie Arzneien, Heil- und Hilfsmittel in Anspruch zu nehmen. Während der Arbeitnehmer im Krankheitsfall eine Entgeltfortzahlung erhält, verdient der Selbständige in der Regel in dieser Zeit kein Geld. Dies sollte bei der Absicherung im Krankheitsfall berücksichtigt werden.

Wichtige Frage also: Wie hoch müssen die Versicherungsleistungen sein, um den Verdienstausfall in dieser Zeit auszugleichen?

Private oder gesetzliche Krankenversicherung für Gründer

Die Wahl zwischen einer privaten und einer freiwilligen Krankenversicherung hat, wer bereits zuvor gesetzlich versichert war. Dabei ist es unerheblich, ob eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung vorlag, der Bezug von Arbeitslosengeld I, eine Absicherung als Empfänger von Arbeitslosengeld II oder eine Absicherung in der Familienversicherung. Der Schritt muss der jeweiligen Krankenversicherung gemeldet werden.

Selbständige, die keine Absicherung für den Krankheitsfall haben und die in der Vergangenheit in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert waren, müssen in diese zurückkehren. Selbständige, die keine Absicherung für den Krankheitsfall haben und die in der Vergangenheit in der privaten Krankenversicherung versichert waren, müssen sich über eine private Krankenversicherung absichern. Sie können sich hier im Basistarif versichern. Die Leistungen orientieren sich an denen der gesetzlichen Krankenkasse. Der Beitrag ist durch den Höchstbeitrag der gesetzlichen Versicherung begrenzt. Wer sich für eine private Krankenversicherung entscheidet, hat als Selbständiger keine Möglichkeit mehr, in die gesetzliche Krankenversicherung zurückzukehren. Bedenken Sie auch, dass Sie im Fall einer Familiengründung in der privaten Krankenversicherung für jedes Mitglied Beiträge zahlen müssen, während in der gesetzlichen Krankenversicherung Beitragsfreiheit für den Ehepartner und die Kinder besteht, soweit bestimmte Einkommensgrenzen nicht überschritten werden. Verbraucherzentralen weisen darauf hin, dass private Krankenversicherer häufig gerade für junge Menschen Billigtarife anbieten, in denen allerdings viele Leistungen gekürzt sind. Dazu kommt: Die anfangs niedrigen Beiträge für private Krankenversicherungen können in späteren Jahren empfindlich ansteigen.

Tipp: Wenn Sie nicht ganz sicher sind, welche Variante die richtige ist, sollten Sie vorläufig weiterhin freiwillig bei der bisherigen gesetzlichen Krankenkasse bleiben. Informieren Sie frühzeitig Ihre Krankenkasse darüber, dass Sie sich selbständig machen möchten. Wägen Sie sorgfältig ab, ob der Wechsel in eine private Krankenversicherung sinnvoll ist.

Geringere Beiträge für Kleinunternehmer: Sowohl Bezieher des Gründungszuschusses als auch freiwillig versicherte hauptberufliche Selbständige können unter bestimmten Voraussetzungen bei ihrer Krankenkasse einen Antrag auf einen Mindestbeitrag stellen. In diesem Fall wird eine abgesenkte Mindestbemessungsgrundlage als Bezugsgröße herangezogen.

Familienversicherung: Teilzeitselbständige, deren Gesamteinkommen einen bestimmten Betrag nicht übersteigt, dürfen beitragsfrei in der Familienversicherung bleiben.

Krankentagegeld

Wer als Selbständige oder Selbständiger vorübergehend arbeitsunfähig ist (z. B. wegen Krankheit), hat in dieser Zeit meist Einkommenseinbußen. Ein Krankentagegeld kann diese Einkommenseinbußen ausgleichen. Wer in der Künstlersozialkasse pflichtversichert ist, hat Anspruch auf Krankengeld. Als Selbständiger können Sie mit Ihrer gesetzlichen oder privaten Krankenkasse einen Vertrag über Krankengeld bzw. Krankentagegeld abschließen und damit Einkommenseinbußen ausgleichen. Gesetzliche Versicherungen zahlen Krankentagegeld für ungefähr eineinhalb Jahre aus, private erfahrungsgemäß bis zu zwei Jahren (bis zur Feststellung einer Berufsunfähigkeit). Grundsätzlich sollte das Tagegeld mit einer gewissen Karenzzeit vereinbart werden, also mit einem Leistungsbeginn, der zwei, drei oder mehr Wochen nach Beginn der Arbeitsunfähigkeit liegt. Die Beiträge für derartige Tarife sind erheblich niedriger als bei solchen mit sofort beginnender Leistung. Die Ausfallzeit zuvor lässt sich in aller Regel mit eigenen Mitteln überstehen.

Lebensversicherung

Die Lebensversicherung kann in Risiko-und Kapitallebensversicherung sowie in Sonderformen unterteilt werden.

  1. Risikolebensversicherung: Sie ist zeitlich begrenzt. Mit ihr lässt sich nur das Todesfallrisiko finanziell absichern (stirbt der Versicherte, so wird die vereinbarte Leistung ausbezahlt). Diese Versicherung eignet sich nicht zur eigenen Altersversorgung, aber Bankkredite lassen sich beispielsweise damit absichern.
  2. Kapitallebensversicherung: Die Versicherungsleistung wird beim Tod des Versicherten, spätestens jedoch zum vereinbarten Ablaufzeitpunkt (z. B mit Vollendung des 60. Lebensjahres) ausgezahlt. Bei dieser Form der Lebensversicherung gibt es eine Vielzahl von Vertrags-und Auszahlungsvarianten, über die Sie sich informieren sollten.

Pflegeversicherung

Selbständige, die bei einer gesetzlichen Krankenversicherung versichert sind, sind hier auch pflegeversichert. Sie können aber auch eine private Pflegeversicherung wählen. Die Pflegeversicherung bietet eine Grundversorgung. Sie kommt im Alter, nach schwerer Krankheit oder nach einem Unfall für die materiellen Folgen der Pflegebedürftigkeit auf. In der privaten Pflegepflichtversicherung wird für Selbstständige, die privat gegen Krankheit voll versichert sind, der Höchstbetrag fällig.

Private Haftpflichtversicherung

Die Privat-Haftpflichtversicherung erledigt die Schadensersatzansprüche, die an Sie oder Ihre Familie herangetragen werden. Sie zahlt z. B., wenn der Versicherte einen Unfall verursacht oder einen Schaden anrichtet. Ausgeschlossen sind Schäden, die der Versicherte selbst erleidet, anderen vorsätzlich zufügt oder die er mit dem Auto, Motorrad o. Ä. hervorruft.

Rentenversicherung

Die Ansprüche an die gesetzliche Rentenversicherung, die man sich in der Zeit als Arbeitnehmer erworben hat, bleiben erhalten. Hier sollte man sich beraten lassen, ob es sich lohnt, weiterhin freiwillig Beiträge zu zahlen. Allerdings: Die Altersrente aus der gesetzlichen Rentenversicherung deckt normalerweise nur eine Grundversorgung ab. Um im Alter ausreichend abgesichert zu sein, sollten Sie daher für weitere Rücklagen sorgen.

Hinweis: Für einige selbständig Tätige besteht Versicherungspflicht in der gesetzlichen Rentenversicherung. Dazu zählen beispielsweise Handwerker, Lehrer, Hebammen, Künstler und Publizisten. Eine Auflistung versicherungspflichtiger Selbständiger finden Sie in § 2 SGB VI (siehe www.gesetze-im-internet.de). Informationen bietet auch die Deutsche Rentenversicherung Bund.

Unfallversicherung

Eine wichtige Ergänzung zu allen anderen Versicherungen ist die gesetzliche und/oder private Unfallversicherung. Beide zahlen, wenn durch einen Unfall eine Invalidität eingetreten ist. Die gesetzliche Unfallversicherung leistet nur bei Wegeunfällen und beruflichen Unfällen, die private Unfallversicherung idealerweise 24 Stunden rundum für berufliche und private Unfälle. Unfallversicherungen gibt es bei:

  • der für Sie zuständigen Berufsgenossenschaft
  • privaten Unfallversicherungsgesellschaften

Die gesetzliche Unfallversicherung ist wichtig, weil sie neben der medizinischen Rehabilitation für die berufliche Wiedereingliederung aufkommt, wenn der Betreffende seine Tätigkeit nicht mehr ausüben kann. Bleibt eine dauernde Minderung der Erwerbsfähigkeit in Höhe von 20 Prozent oder mehr zurück, wird eine entsprechende Unfallrente bezahlt. Je nach Branche besteht für Unternehmer bei der zuständigen Berufsgenossenschaft entweder Versicherungspflicht (z. B. für Gesundheitsdienste, Friseure, Gärtner) oder die Möglichkeit, sich freiwillig gegen die Folgen von Arbeitsunfällen oder Berufskrankheiten zu versichern.

(Quelle: GründerZeiten 05, BMWi, Berlin

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