Drucken

Franchise – Ein erprobtes Geschäftskonzept

START 3DBeim Franchising eröffnet ein Unternehmer (Franchisegeber) interessierten Gründerinnen und Gründern (Franchisenehmern) die Möglichkeit, sich mit seinem Geschäftskonzept selbständig zu machen. Für diese Lizenz müssen sie zum Start und weiterhin monatlich Geldleistungen an den Franchisegeber entrichten. Im Gegenzug erhalten sie das Nutzungsrecht für das am Markt eingeführte Geschäftsmodell und eine bereits etablierte Produkt-oder Dienstleistungsmarke.

Bekanntheitsgrad und Vertrauensvorschuss

Für den Franchisegeber bedeutet jeder weitere Franchisenehmer eine Erweiterung seines Unternehmens. Für den Franchisenehmer wiederum zählen der Bekanntheitsgrad des Franchiseangebots und ein damit verbundener Vertrauensvorschuss bei den Kunden. Außerdem können ihm die Hilfestellungen durch den Franchisegeber den Einstieg in die Selbständigkeit erleichtern. Unter dem Strich kann dies sein unternehmerisches Risiko verringern.

Fast 1.000 Franchisesysteme

Das Konzept geht offensichtlich auf. Die deutsche Franchisewirtschaft ist in der Vergangenheit kontinuierlich gewachsen. Mittlerweile sind auf dem deutschen Markt nach Branchenangaben knapp 1.000 Franchisesysteme mit insgesamt fast 70.000 Franchisenehmern zu finden. Dort ist nahezu eine halbe Million Beschäftigte tätig, die im Jahr 2011 einen Umsatz von rund 60 Milliarden Euro erwirtschaftet haben. Die Nase vorn haben dabei Systeme aus dem Dienstleistungsbereich, gefolgt von solchen aus Handel, Gastgewerbe und Handwerk.

Franchising ist kein Selbstläufer

Wie bei jeder Gründung ist auch im Franchising der Erfolg wesentlich von der Person und dem Einsatz der Unternehmerin bzw. des Unternehmers abhängig. Außerdem kommt es darauf an, sich für das richtige Franchisesystem zu entscheiden. Nicht jedes Franchiseangebot ist empfehlenswert.

Der Franchisenehmer ist selbständiger Unternehmer und arbeitet auf eigene Rechnung. Das unmittelbare Tagesgeschäft ist allein seine Sache. Der Franchisegeber ist für die Weiterentwicklung, Vermarktung und Kontrolle des Geschäftskonzepts verantwortlich. Darüber hinaus bietet er häufig Dienstleistungen an, beispielsweise im Bereich Werbung und Öffentlichkeitsarbeit. Anfallende Kosten werden hier nicht selten unter allen Franchisenehmern geteilt.

Das Franchisesystem erhält beim Einkauf als Großabnehmer günstigere Einkaufskonditionen, die allen Netzwerkpartnern zugute kommen. Und dadurch, dass man sich einem großen Unternehmensnetzwerk anschließt, kann man als Franchisenehmer außerdem von den unternehmerischen Erfahrungen der Partner profitieren.

Dank der Hilfen und Entlastungen durch den Franchisegeber kann sich der Franchisenehmer verstärkt darauf konzentrieren, seinen Betrieb vor Ort aufzubauen, seine Kunden kennenzulernen und Erfahrungen zu sammeln. Allerdings muss er sich in der Regel an ein bestimmtes Unternehmenskonzept und straffe Marketingvorgaben halten, die allen Partnern durch den gemeinsamen Markenauftritt des Franchisesystems auferlegt werden. Dies begrenzt den unternehmerischen Entscheidungs- und Gestaltungsfreiraum. Einfluss ist hier eventuell möglich durch die Mitbestimmung aller Partner über Franchisenehmerbeiräte oder ähnliche Gremien.

System auf Herz und Nieren prüfen

Bevor man sich für ein Franchisesystem entscheidet, sollte man es auf Herz und Nieren prüfen. Schließlich bindet sich ein Franchisenehmer auf längere Zeit wirtschaftlich und rechtlich fest an einen Partner. Da ist es wichtig, dass die wirtschaftlichen Rahmendaten, die gemeinsamen Interessen und die Zielsetzungen der Kooperationspartner zueinander passen.

Im Franchisevertrag ist zumeist eine Grundausbildung durch den Franchisegeber vorgesehen. Bei dieser Schulung geht es um grundlegende betriebswirtschaftliche Belange. Sie soll den Franchisenehmer in die Lage versetzen, den eigenen Betrieb selbständig und eigenverantwortlich zu führen. Außerdem gewähren viele Franchisegeber im Vertrag Gebietsschutz. Damit ist gemeint, dass kein weiterer Franchisenehmer sich im Einzugsbereich ansiedeln darf.

Mancher Franchisegeber liefert seinen Franchisepartnern aber kaum mehr als die Erlaubnis, sein Franchisekonzept zu nutzen. So fehlen eventuell eine kontinuierliche betriebswirtschaftliche Unterstützung, die Vermittlung von Fachwissen, Beratung und Hilfe durch Betriebsberater und eine erkennbare Fortentwicklung des Systems.

Vor einer Entscheidung für oder gegen ein Franchisesystem sollte man sich als angehender Franchisenehmer aber auch selbst fragen: Was kann ich leisten? Was bringe ich an Wissen und Erfahrungen mit? Welche Unterstützung benötige ich unbedingt? Wird mir diese durch den Franchisegeber zur Verfügung gestellt? Auf welche Art von Unterstützung, welche Konditionen kann ich verzichten?

Hilfen bei der Auswahl von Franchisesystemen

Informieren Sie sich bei Franchiseverbänden, Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern und Banken sowie Wirtschaftsverbänden über das Franchiseunternehmen Ihrer Wahl. Nehmen Sie auch mit anderen Franchisenehmern des Franchisegebers Kontakt auf.

Der DFV-System-Check

Ein Indiz für die Seriosität eines Franchisegebers ist seine Mitgliedschaft im Deutschen Franchise-Verband e. V. (DFV). Der DFV hat sich mit eigenen Aufnahmerichtlinien die Aufgabe gestellt, besonders professionelle und seriöse Systeme auszuzeichnen. Etwa 280 Franchisegeber sind in den DFV aufgenommen worden. Wer Vollmitglied beim DFV werden will, muss einen Systemcheck absolvieren. Er beinhaltet unter anderem die Prüfung des Franchisevertrages und des Franchisehandbuches nach den Qualitätsstandards für Unternehmensnetzwerke. Zu den Prüfungskriterien zählen außerdem die Bereiche Systemkonzept, Produkte/Leistungen, Strategie und Management sowie eine repräsentative Abfrage der Franchisenehmerzufriedenheit. Die Überprüfung der Franchiseunternehmen wird durch ein neutrales, wissenschaftliches Institut, das Internationale Centrum für Franchising und Cooperation (F&C) mit Sitz in Münster, verantwortet. Eine regelmäßige Überprüfung alle drei Jahre soll zudem nachhaltig die gute Qualität des Systems unterstreichen.

Ethikkodex des DFV

Mitglieder des DFV müssen sich dem Ethikkodex des Verbands verpflichten. Der DFV-Ethikkodex beschreibt die Richtlinien zum fairen Umgang zwischen Franchisenehmer und Franchisegeber. Die wichtigsten Bestimmungen des Ethikkodexes sind:

  • Der Franchisegeber muss sein Erfahrungswissen vor Vertragsabschluss mit dem ersten Franchisenehmer durch wenigstens ein Pilotfranchiseprojekt nachweisen.
  • Der Franchisegeber ist verpflichtet, jeden Franchisenehmer zu Beginn zu schulen, um dessen erfolgreichen Markteinstieg zu sichern.
  • Der Franchisegeber muss dem Franchisenehmer vor Vertragsunterzeichnung den Ethikkodex aushändigen, der die wesentlichen Vorschriften fairer Verhaltensweisen für die Franchisewirtschaft enthält.
  • Der Franchisegeber muss dem zukünftigen Franchisenehmer innerhalb einer angemessenen Frist vor Vertragsunterzeichnung alle für das Franchiseverhältnis wichtigen Informationen und Unterlagen schriftlich übergeben.
  • Der Franchisenehmer erhält vom Franchisegeber vor Vertragsabschluss eine schriftliche Mitteilung über den Zweck des Vorvertrags und über die Entgeltregelung.
  • Der Franchisegeber muss dem Franchisenehmer unmittelbar nach Unterzeichnung durch beide Parteien den Franchisevertrag aushändigen.

Aber Achtung: Dies ist nicht so zu verstehen, dass eine Nichtmitgliedschaft im DFV automatisch einen negativen Indikator für die Wahl eines Franchisesystems bedeutet!

Der DFNV prüft auf freiwilliger Basis Franchisesysteme und verleiht das Prüfsiegel GEPRÜFTES SYSTEM. Geprüft werden die vorvertragliche Aufklärung, die angemessene Vertragsgestaltung und das vertragskonforme Verhalten des Franchisegebers. Das Prüfsiegel wird jedes Jahr erneuert.

Achtung: Das Prüfsiegel GEPRÜFTES SYSTEM versteht sich als Orientierungshilfe. Außerdem hat der DFNV noch nicht alle Systeme prüfen können. Daher müssen ungeprüfte Systeme gesondert betrachtet werden. Der DFNV hilft Interessenten dabei.

Ergänzend prüft der DFNV ebenfalls auf freiwilliger Basis das Risikosicherheitsmanagement von Franchisesystemen, insbesondere ihre Bonität als Voraussetzung für Kredite sowie ihre Liquidität, und verleiht in diesem Bereich das „DFNV-Sicherheitssiegel“.

Gründungsberatung

Angehenden Gründerinnen und Gründern, die auf der Suche nach einem passenden Franchisesystem sind, bieten der Deutsche Franchise-Verband e.V. und der Deutsche Franchisenehmer Verband e. V. kostenlose Beratung an. Weitere Informationen unter: www.franchiseverband.com und www.dfnv.de.

Fünf typische Stolpersteine für Franchisenehmer

Neuheit – Vorsicht bei Franchisesystemen, die erst seit kurzem auf dem Markt sind! Das Konzept kann noch nicht erprobt sein. Die Gefahr zu scheitern ist groß.

Kein Pilotprojekt – Vorsicht, wenn der Franchisegeber sich weigert, mindestens zwei Pilot­projekte zu benennen und die wirt­schaftlichen Eckdaten aufzudecken! Ohne Einblick in das Zahlenwerk keine Unterschrift leisten!

Keine Referenzen – Finger weg, wenn der Franchisege­ber nicht bereit ist, Referenzen zu be­nennen! Mehrere Franchisenehmer Ihrer Wahl sollten Sie nach deren Er­fahrungen befragen. Fragen Sie nach der betriebswirtschaftlichen Seite des Franchisesystems und der Partner­schaft mit dem Franchisegeber.

Kein Franchisehandbuch – Finger weg, wenn es kein Franchisehandbuch gibt! Seriöse Franchisegeber haben das.

Zeitdruck – Lassen Sie sich Zeit! Haben Sie alles verstanden? Lassen Sie sich nie unter Druck setzen! Schließen Sie nie einen Vertrag ab, ohne das Vertragswerk und die kaufmännischen Unterlagen sorg­fältig geprüft zu haben (mit fachkun­digem Rechtsanwalt)!

Häufige Fragen und Antworten

Haben Franchisenehmer größere finanzielle Sicherheiten als unabhängige Existenzgründer?

Newcomer, die sich einem guten und professionell organisierten Franchisesystem anschließen, haben durchaus bessere Erfolgsaussichten als unabhängige Gründerinnen und Gründer. Einige Kreditinstitute setzen bereits heute darauf, dass sich das unternehmerische Risiko für Franchisegründungen zum Teil deutlich reduzieren lässt, und greifen dabei auf ihre Erfahrungen mit anderen Partnern des entsprechenden Franchisesystems zurück.

Wie hoch sind die Kosten für einen Einstieg in ein Franchisesystem?

Die Einstiegskosten liegen je nach Konzept meist zwischen 5.000 und 25.000 Euro.

In welchem Rahmen bewegen sich die laufenden Kosten, die an den Franchisegeber zu zahlen sind?

Die laufenden Kosten sollten sich im Rahmen von ein bis 15 Prozent des monatlichen Netto-Umsatzes halten. Sie sind abhängig von den Leistungen, die der Franchisegeber dem Franchisenehmer bietet.

Gibt es so genannte Boombranchen?

Was die Branchen angeht, so ist im Dienstleistungssektor eine starke Zunahme von Franchisekonzepten zu beobachten. Es gibt Bestrebungen im Gesundheitswesen, wie in der Pflege und bei Apotheken, aber auch in den Bereichen Bildung, Umwelt und Energie, Franchisekonzepte zu etablieren.

(Quelle: GründerZeiten 04, BMWi, Berlin)
(Bildnachweis: ©-Franjo – Fotolia.com)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Hinweis:
Bitte beachten Sie unsere Blogregeln. Es besteht grundsätzlich kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihres Kommentars. Je nach Inhalt behalten wir uns vor, von einer Veröffentlichung abzusehen. Mit dem Absenden Ihres Kommentars stimmen Sie der Veröffentlichung auf dieser Website zu. Auf Wunsch des Absenders können Kommentare auch wieder gelöscht werden. Bitte senden Sie in diesem Fall eine E-Mail an den Administrator.