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Kleingründungen – Tipps, Marketing, Probleme

ExistenzgründungBusinessplan-Tipps für Kleingründungen

Auch wer seine berufliche Selbständigkeit im kleinen Rahmen mit wenig finanziellem Aufwand und eventuell von zu Hause aus startet, sollte einen Businessplan erstellen. Dabei unterschätzen viele Gründerinnen und Gründer den Informations- und Lernbedarf, den sie auch bei der Vorbereitung einer Kleingründung haben. Dazu zählen vor allem unternehmerische Pflichten wie Liquiditätsplanung, Rentabilitätsvorschau oder Kapitalbedarfsplanung sowie ein grundlegendes kaufmännisches Know-how. Dass ihr Businessplan auf festen Füßen steht, müssen Empfänger einer Förderung durch die Arbeitsagentur in ihrem Businessplan deutlich machen. Denn nur dann erhalten sie eine positive fachliche Stellungnahme: die Voraussetzung für die Antragsbewilligung der Fördergelder.

Der Besuch eines Existenzgründungsseminars sowie die Vertiefung bestimmter Sachverhalte, z. B. anhand von Broschüren und Internetinformationen, sind darum ein absolutes Muss. Wer Förderungen der Agentur für Arbeit in Anspruch nimmt, muss wissen, dass Arbeitsagenturen keine Existenzgründungsberatungen durchführen. Hierfür gibt es z. B. Industrie- und Handelskammern bzw. Handwerkskammern, die vielen Existenzgründungsinitiativen oder die Gründerzentren vor Ort.

Netzwerk-Marketing

Netzwerk-Marketing (auch Multi-Level-Marketing) kann eine spezielle Form des Direktverkaufs sein. Hier sucht sich ein Unternehmen eine ganze Reihe von Geschäftspartnern für den Vertrieb eines Produktes oder einer Dienstleistung (ähnlich wie ein Franchise-Geber). An den Umsätzen, die in diesem Filialnetz erwirtschaftet werden, sind die Netzwerk-Partner beteiligt (Umsatzboni). Im Gegensatz zum Franchising, bei der nur ein Franchise-Geber Filialen gründet, kann im Netzwerk-Marketing jeder Unternehmer eigenständig weitere Netzwerk-Unternehmen gründen. In der jüngsten Vergangenheit haben Verbraucherschützer immer wieder vor dubiosen Netzwerk-Marketing-Unternehmen gewarnt. Existenzgründer und junge Unternehmen, die darüber nachdenken, sich als Netzwerk-Partner selbständig zu machen – oder hier zusätzlich „einzusteigen“, sollten darum zuvor die betreffenden Firmen, deren Vertriebs-Provisionen und auch das Preis-Leistungs-Verhältnis der angebotenen Produkte genau unter die Lupe nehmen.

Besondere Probleme von Kleingründungen

Mangelnde Qualifikation

Viele Kleingründerinnen und -gründer (z. B. Gründer aus der Arbeitslosigkeit) verfügen nicht über das nötige „Handwerkszeug“, um ihre Geschäftsidee zu entwickeln, zu vermarkten, kaufmännisch zu denken usw. Ganz wichtig ist es daher für sie, Know-how-Lücken zu identifizieren und diese durch gezielte Weiterbildung, Coaching oder auch Kooperation mit Partnern zu schließen.

Nicht geprüftes Konzept

Kleingründungen und vor allem Nebenerwerbsgründungen werden aufgrund des geringen Darlehensvolumens von der „Hausbank“ in der Regel nicht im Unternehmenskundenbereich, sondern im Privatkundenbereich betreut. Folge: Ein Kreditantrag wird – anders als die Konzepte, für die Gründer z. B. eine öffentliche Förderung beantragen – oftmals zu wenig unternehmensbezogen geprüft. Darum: Beratungs- und Coaching-Angebote wahrnehmen.

Schwierige Finanzierung

Viele Existenzgründerinnen und -gründer erhalten von Kreditinstituten keinen Kleinkredit, insbesondere auch keine öffentlichen Förderdarlehen. Erster Grund: ein zu geringes Kreditvolumen im Verhältnis zum Aufwand für die Bank. Zweiter Grund: fehlende Sicherheiten, die in aller Regel auch bei Förderkrediten verlangt werden. Dazu kommt: Wenn keine öffentliche Förderung, sondern nur ein „normaler“ Bankkredit infrage kommt, erwarten die Banken eine 100-prozentige Besicherung der Kreditsumme. Die können Gründerinnen und Gründer meist nicht leisten. Mögliche Alternative: eine Gründungsfinanzierung durch Mikrokredite.

Keine Ansprechpartner

Das Geschäftsfeld „kleiner Firmenkredit“ ist bei Kreditinstituten oft gering ausgeprägt. Folge: Es gibt hier nicht immer eindeutige Zuständigkeiten. Daher sollten Gründerinnen und Gründer sich eine „Hausbank“ suchen, die über spezielle Firmenkundenbetreuer, noch besser: Gründungsberater oder sogar ein Existenzgründungscenter verfügt.

Tipps für Kleingründer/innen

Wenn Sie eine Nebenerwerbsoder Kleingründung planen, sollten Sie …

  • gezielt nach einer Geschäftsidee für ein Unternehmen suchen, das möglichst geringe laufende Kosten (z. B. Miete) und Investitionen (z. B. Büroausstattung) erfordert. Halten Sie die Kosten so niedrig wie möglich.
  • prüfen, ob Sie mit dieser Geschäftsidee Ihr Unternehmen auch tatsächlich stundenweise betreiben können. Bei einem Einzelhandelsgeschäft ist dies z. B. nicht realistisch.
  • überlegen, welche Geschäftsideen auch Entwicklungsmöglichkeiten zulassen, z.B. vom Schreibbüro zum Sekretariatsservice für Unternehmen oder vom Frühstücksservice für Büroangestellte zum eigenen Café.

Wenn Sie noch angestellt sind …

regelt u. a. Ihr Arbeitsvertrag, ob und in welchem Umfang Sie neben Ihrer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung auch selbständig tätig sein dürfen. In manchen Fällen muss Ihr/-e Arbeitgeber/-in zustimmen. Lassen Sie sich auf jeden Fall von einem Fachanwalt oder einer Fachanwältin für Arbeitsrecht dazu beraten. Achten Sie auf alle Fälle darauf, dass Ihre Geschäftsidee nicht in Konkurrenz zum Unternehmen Ihres Arbeitgebers steht.

Wenn Sie arbeitslos sind …

kann Ihnen Arbeitslosengeld nur gewährt werden, wenn der zeitliche Umfang Ihrer Nebentätigkeit 15 Stunden wöchentlich nicht erreicht. Sollte Ihre Arbeitszeit 15 Stunden oder mehr betragen, gelten Sie nicht mehr als arbeitslos und erhalten kein Arbeitslosengeld mehr von der Agentur für Arbeit. Erreichen Sie also die 15-Stunden-Grenze, sollten Sie sich über die Gründungsförderung der Bundesagentur für Arbeit informieren.

(Quelle: GründerZeiten 44, BMWi, Berlin)
(Bildnachweis: ©-N-Media-Images – Fotolia.com)

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