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Eine Existenzgründung ist keine Kleinigkeit

© senoldo - Fotolia.comWie werden Sie Unternehmer bzw. Unternehmerin? Sie haben eine Idee, melden ein Gewerbe an und legen los! Das ist natürlich ein Scherz, aber so wird es teilweise praktiziert und endet nicht selten in einem Desaster!

„Dann mache ich mich eben selbständig!“

Das höre ich sehr oft. Unzufriedenheit am Arbeitsplatz oder Arbeitslosigkeit sind häufige Ursachen. Meist steht jedoch der Wunsch nach „Unabhängigkeit“ im Vordergrund. Den geborenen Unternehmer gibt es aber nicht. Die eigene Entwicklung, der Wille, Wissen, Können und die notwendige Motivation sind wichtige Faktoren für eine Selbständigkeit. Nicht zuletzt spielen Vorbereitung und „Bauchgefühl“ eine wichtige Rolle! In ein paar Tagen ist das nicht erledigt! Wichtig ist zunächst, dass Sie Ihre Idee gut durchdenken und über das notwendige Branchenwissen verfügen. Ergänzend sollten Sie zumindest über kaufmännische (Grund-) Kenntnisse verfügen. Bereiten Sie sich vor, indem Sie z. B. Abendkurse belegen.

Sie haben sich zur Selbständigkeit entschieden und glauben, alles gut überdacht zu haben?

Erfahrung, aber nur zwei Seiten Unternehmensbeschreibung, ohne Planzahlen, reichen nicht aus. Eigenkapital ist von Vorteil, aber es gibt Möglichkeiten, ein Vorhaben auch ohne Eigenkapital zu finanzieren, was jedoch vom Einzelfall abhängt und keine Pauschalaussage ist.

Bitte gehen Sie auf keinen Fall unvorbereitet zur Bank und sagen, dass Sie Summe X für eine Existenzgründung brauchen und dieser Betrag auf Schätzungen basiert, denn dann haben Sie die erste Bank schon „verbrannt“. Sie können sich selbstverständlich vorab bei Ihrer Hausbank unverbindlich informieren. Betonen Sie aber bitte, dass Sie lediglich dabei sind, Informationen zu sammeln und es sich um Ihre Planungsphase handelt. Machen Sie deutlich, dass Sie bezüglich einer Kreditsumme noch keine Aussage machen können und es sich nicht um eine Kreditanfrage handelt.

Vor der Gründung Informationen sammeln!

Bringen Sie Ihre Idee zu Papier! Dabei ist es zunächst nicht so wichtig, in welcher Reihenfolge Sie das tun. Eine Strukturierung erfolgt später. Dabei bedachten Sie bitte u.a. die nachstehenden Themen.

  • Was bieten Sie an?
  • Wie wollen Sie verkaufen?
  • Wo soll sich Ihr Sandort befinden?
  • Analysieren Sie den Markt! Wer kauft was zu welchen Preisen?
  • Wer sind Ihre Mitbewerber und wie gut sind diese am Markt positioniert?
  • Können Sie mit Kunden umgehen? Was wünschen Ihre Kunden?
  • Welche Komplikationen könnten auf Sie zukommen?
  • Welche Kosten und Umsätze kommen auf Sie zu?
  • Wie hoch werden Ihre voraussichtlichen Investitionen sein?
  • Wie hoch wird Ihr voraussichtlicher Kapitalbedarf sein?

Erstellen Sie einen fundierten Unternehmensplan mit Planzahlen.

Ein gut durchdachtes Unternehmenskonzept nebst Planzahlen schafft einen guten Ausgangspunkt, ist aber noch lange keine Garantie für eine Finanzierungszusage – es stellt nur einen „kleinen“ Baustein der Selbständigkeit dar und Ihnen wird bereits bei der Erstellung „der Kopf qualmen“.

Gehen Sie auch davon aus, dass Sie während der Gründungsphase Ratschläge von (selbsternannten) „Spezialisten“ bekommen und zeitweise nicht wissen, wie Sie alle Informationen verarbeiten sollen. Jeder hat einen „Ratschlag“! „Dies muss ins Konzept, das wieder raus“, werden die „Spezialisten“ raten. Ich sage Ihnen, dass Sie als Mensch im Mittelpunkt stehen. Dazu gehört, dass sie Ihr Wissen umsetzen und als künftige Unternehmerin (oder Unternehmer) zu ihren Entscheidungen stehen! Bleiben Sie selbstbewusst, sonst halten Sie vermutlich nicht durch!

Verlassen Sie sich bei Ihrer Planung auch nicht auf Zuschüsse zum Lebensunterhalt von Behörden oder der Familie. Diese Zuschüsse gehören ohnehin nicht in eine Unternehmensplanung, denn Sie wollen ja Geld mit Ihrer Idee verdienen und nicht mit einem Hunderter von „Onkel Franz“ „Löcher im geschäftlichen Finanzplan stopfen“.

Bedenken Sie bei der Konzeptionierung, dass es um Ihre Existenz geht und nicht darum, jemanden mit einem tollen Plan zu beeindrucken!

Entwickeln Sie ein Gefühl für Ihr Vorhaben. Bitte bleiben Sie bei Ihren Umsatzprognosen realistisch. Ich weiß, es ist nicht so einfach eine Prognose für drei Jahre abzugeben und „selbsternannte Spezialisten“ werden Ihnen vielleicht raten, Umsatzzahlen höher anzusetzen, als Sie sich zutrauen bzw. was Sie für erreichbar halten. Die Investitionen lassen sich recht gut abschätzen, aber bitte überlegen Sie, was wirklich notwendig ist und was nicht. Erläutern Sie auf einem Beiblatt, wie Sie Umsatz, Kosten und Investitionen errechnet haben.

Setzen Sie Ihre Planzahlen (Bereich: Umsatz, Kosten) zu hoch an, wird es Ihnen im laufenden Geschäftsprozess möglicherweise an Liquidität fehlen, wenn Sie die Planzahlen nicht erreichen. Dann haben Sie ein Problem und müssen bei der Bank um einen „Nachschlag“ bitten – was nicht immer zum Erfolg führt und auch nicht den besten Eindruck macht. Setzen Sie die Planzahlen zu niedrig an, haben Sie unter Umständen auch ein Problem, denn dann kann es sein, dass die Bank Ihr Vorhaben erst gar nicht finanziert, da sie es für nicht lohnenswert hält – deswegen achten Sie bitte auch auf Ihre Investitionen, auf die ich nicht näher eingehe. Ich kann das Thema nun mühelos weiterführen und aufzählen, welche Argumente auf Sie zukommen, aber das würde Seiten füllen. Alles klar? Alles nicht so einfach!

Während der Konzeptionsphase kommen – neben Unternehmensbeschreibung, den damit zusammenhängenden Marktrecherchen und der Finanzplanung – sehr viele Fragen hinsichtlich der betrieblichen Organisation auf, die vor und nach der Gründung zu beachten sind.

Einige Beispiele:

  • Steuerberater.
  • Finanzamt.
  • Die Agentur für Arbeit/das Jobcenter – Anträge und Vorgehensweise.
  • Vorbereitung auf das Bankgespräch – Anträge KfW.
  • Betriebliche Versicherungen. Gibt es Empfehlungen. Was brauche ich?
  • Wer erstellt mir eine gute Homepage?
  • Wer liefert eine gute EDV und bietet Support?
  • Die Nachbetreuung. Brauche ich die?
  • Kostenkontrolle nach der Gründung. Stimmen Einnahmen und Ausgaben?
  • Was muss ich künftig beachten? Wie plane ich vorausschauend?
  • Wie organisiere ich Einkauf und Verkauf?
  • Zeitmanagement?
  • Kundengewinnung und Kundenpflege.
  • Personal?

Ziehen Sie fachkundige Unterstützung hinzu, wenn Sie das Gefühl haben, mit der Planung überfordert zu sein – das ist kein Zeichen von Schwäche. Nehmen Sie Informationen und konstruktive Kritik an, dann haben Sie schon den ersten Schritt getan!

Wenn sich im Endeffekt herausstellt, dass das Vorhaben unrentabel bzw. nicht finanzierbar ist, haben Sie zumindest keine sehr hohen Investitionen getätigt. Sie haben etwas dazugelernt und können diese Informationen wieder verwenden!

Fazit: Denken Sie intensiv über Ihr künftiges Unternehmen nach und bringen Ihr Vorhaben zu Papier. Das ist die Pflicht! Danach kommt die Kür! Nachdem der Start in die Selbständigkeit geglückt ist, werden Sie erkennen, dass Sie gerade einmal „an der Oberfläche gekratzt haben“. Jeder Tag beginnt mit neuen Herausforderungen. Wenn Sie sich darauf freuen, dann haben Sie die richtige Wahl getroffen!

Mit meinem Slogan „Es geht immer was, wenn alle wollen!“ möchte ich meinen Artikel schließen und wünsche Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, gutes Geschick und eine konstruktive Zukunft.

(Gastbeitrag von Hans Hermanns, www.x-ist.info)
(Bildnachweis: ©-senoldo – Fotolia.com)

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