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Ein Leben nach der Insolvenz: Neustart

emotionenEine Insolvenz geordnet abzuarbeiten, kann die Voraussetzung für einen erfolgreichen wirtschaftlichen Neuanfang sein. Allerdings haben „gescheiterte“ Gründer und Gründerinnen immer noch mit dem Vorurteil zu kämpfen, Verlierer und Versager zu sein. Aber wissenschaftliche Untersuchungen zeigen: Eine solche Stigmatisierung erfolgt zu Unrecht. „Restarter“, also Unternehmer und Unternehmerinnen, die mit ihrem vorherigen Unternehmen wirtschaftlich gescheitert sind, leisten einen wichtigen Beitrag zum Gründungsgeschehen. Nach einer Untersuchung des Instituts für Mittelstandforschung in Bonn sind mindestens elf Prozent der Gründer Restarter und haben ein vergleichbares Erfolgspotenzialwie erstmalige Gründer.

Es gibt ein Leben nach der Insolvenz

Die gute Nachricht zuerst: Ein unternehmerisches Leben nach der Insolvenz ist zwar kein Zuckerschlecken, aber möglich. Wie groß die Chance tatsächlich ist, kann nur im Einzelfall entschieden werden.

Chancen

Aus Fehlern lernen: Erfolgreiche Restarter raten: Aus Fehlern muss – und kann! – man lernen. Die sorgfältige Analyse der Pleitegründe ist – neben der Regulierung der Altverbindlichkeiten – absolute Voraussetzung für einen erfolgreichen zweiten Versuch. Trotz der finanziellen Restriktionen, denen Zweitgründer ausgesetzt sind, hilft Restartern ihr aus dem Scheitern gewonnenes Erfahrungswissen, diese Restriktionen zumindest zum Teil auszugleichen. Restarter mit einmaliger vorheriger Geschäftsaufgabe können im Schnitt sogar ein gegenüber Erstgründern um 30 Prozent höheres Einkommen erzielen, so lautet ein Untersuchungsergebnis, das das Institut für Mittelstandsforschung (Bonn) veröffentlicht hat.

Schwachstellen im Konzept beseitigen: Voraussetzungen für einen erfolgreichen Neustart sind ein fundiertes Konzept und eine sorgfältige Planung. Analysieren Sie selbstkritisch, ob und wie Sie erkannte persönliche und betriebliche Schwachstellen (insbesondere Krisenfaktoren aus der ersten Gründung) bei Ihrer zweiten Gründung ausgleichen können. Nutzen Sie die Fehler, die Sie während Ihrer ersten Selbständigkeit gemacht haben, als Quelle für Verbesserungen.

Hürden

Altlasten: Wenn Unternehmen scheitern, dann verlieren Unternehmerinnen und Unternehmer häufig nicht nur ihr Geld und Vermögen, sondern auch das Vertrauen in sich und die Welt. Selbständige, die Pleite gegangen sind, berichten davon, dass sie einige Zeit gebraucht haben, um die Erfahrung des Scheiterns zu verarbeiten und psychisch und physisch wieder zu Kräften zu kommen. Auch wenn Sie sicher sind, schnellst möglich wieder selbständig arbeiten zu wollen Nehmen Sie sich diese Zeit und regulieren Sie zunächst auf jeden Fall Ihre Altverbindlichkeiten. Das Insolvenzrecht bietet persönlich haftenden (ehemaligen) Selbständigen einen Ausweg aus der drohenden lebenslangen Verschuldung: Unter bestimmten Voraussetzungen ist es möglich, sechs Jahre nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens eine so genannte Restschuldbefreiung zu bekommen.

Startkapital: Die größte Hürde für einen erfolgreichen Restart stellt oft der fehlende Zugang zu dem hierfür erforderlichen Startkapital dar. Aufgrund der vorherige Pleite und der persönlichen Haftung – insbesondere bei Bankkrediten – sind private Rücklagen aufgebraucht, Sicherheiten verwertet und vorhandenes Vermögen zur Schuldenregulierung eingebracht. Solange noch Altverbindlichkeiten bestehen bzw. die Restschuldbefreiung noch nicht erteilt wurde, müssen Sie daher davon ausgehen, dass Sie bei Banken als „nicht kreditfähig“ gelten. Die einzige Möglichkeit, einen Neustart zu finanzieren, liegt deshalb häufig in der Einbindung privater Kapitalgeber bzw. Bürgen.

(Quelle: GründerZeiten 14, BMWi, Berlin)
(Bildnachweis: © MH – Fotolia.com)

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2 Gedanken zu “Ein Leben nach der Insolvenz: Neustart

  1. Sehr geehrter Herr Mangels,
    was viele nicht wissen ist, dass nach der Erteilung der Restschuldbefreiung immer noch die negativen Einträge in der Schufa bestehen. Diese werden erst nach 3 Jahren zum Jahresende gelöscht. Viele Insolvenzverwalter weisen nicht darauf hin.
    Da kann es sein, dass man für den Neustart noch etwas länger, wie Sie es empfehlen, private Kapitalgeber oder Bürgen braucht.
    Mit freundlichem Gruss
    Michael Buhlert

  2. Guten Morgen Herr Mangels,

    Sie haben das schwierige wirtschaftliche Leben nach der Insolvenz sehr treffend beschrieben. Das notwendige Vertrauen bei Banken und Sparkassen, um einen Neustart zu realisieren, ist „verspielt“, sodass es meist keinen Sinn macht, diese in irgendeiner Weise anzusprechen.

    Dies mag betrüblich sein, aber leider Realität.

    Mit freundlichen Grüßen
    Willi Plum

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