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Hochschulabsolventen als Existenzgründer

HochschuleDas Interesse der Hochschulen und Fachhochschulen sowie der Studierenden am Thema „Existenzgründung“ hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Gründungsinitiativen, Gründerwettbewerbe und auch Seminare und Vorlesungen zum Thema „Existenzgründung“ sind immer häufiger in der Hochschullandschaft zu finden. Etwa 70 Existenzgründungsprofessuren existieren bereits, weitere sind im Aufbau.

Zu den akademischen Gründerinnen und Gründern gehören vor allem Freiberufler wie Architekten und Juristen, in geringerem Maße auch Psychologen und Magisterabsolventen (Quelle: Hochschul-Informations-System – HIS).

Immer häufiger schlagen Absolventen technologieorientierter Fachrichtungen wie beispielsweise der Ingenieurwissenschaften, Informatik und der Naturwissenschaften den Weg in Richtung Selbständigkeit ein. Absolventen dieser Fachrichtungen – vor allem auch Mediziner – machen sich erfahrungsgemäß aber erst zu einem späteren Zeitpunkt nach dem Examen selbständig.

Start im Nebenerwerb

Die Mehrheit der Hochschulabsolventen (53 Prozent im Jahr 2008) beginnt ihren Weg zunächst über eine Nebenerwerbsgründung, so ein Ergebnis des KfW-Gründungsmonitors 2009. Und: Bei den akademischen Unternehmensgründungen haben Frauen inzwischen stark aufgeholt: Sie sind hier mit 41 Prozent mittlerweile genauso vertreten wie bei den nichtakademischen Gründungen.

Herausforderung: wissens- und forschungsintensive Gründungen

Volkswirtschaftlich gesehen sind vor allem Unternehmensgründungen im wissenschaftlich-technologischen Bereich von großer Bedeutung. Durch Ausgründungen aus Hochschulen oder außeruniversitären Forschungseinrichtungen (Spin-offs) können Forschungs-ergebnisse in kleinen Unternehmen wesentlich schneller in marktfähige Produkte umgesetzt und Marktpotenziale besser erschlossen werden als in Großunternehmen. Dazu sollen nicht zuletzt staatliche Förderinitiativen wie EXIST und öffentliche finanzielle Förderhilfen wie das EXIST-Gründerstipendium beitragen.

Studierende und Unternehmer: Beruflich selbständig während des Studiums

Nicht selten machen sich Studierende schon während ihres Studiums mit einem Kleinunternehmen beruflich selbständig. Dabei haben sie alle Möglichkeiten (z. B. Inanspruchnahme von öffentlichen Förderdarlehen) und Pflichten (z.B. Steuerpflicht) wie jeder andere Existenzgründer auch. Der „Studentenstatus“ bringt allerdings einige Besonderheiten mit sich.

Sozialversicherung

Die meisten Studenten sind bis zur Vollendung ihres 25. Lebensjahres (ggf. um die Dauer der gesetzlichen Dienstpflicht verlängert) über ihre Eltern familienversichert und zahlen daher keine Beiträge. Dies kann unter bestimmten Voraussetzungen auch so bleiben, wenn

  • sie ihre selbständige Tätigkeit nicht hauptberuflich ausüben. Hauptberuflich hieße z. B., wenn der Zeitaufwand für die berufliche Tätigkeit deutlich höher wäre als für das Studium. Die gesetzliche Krankenkasse entscheidet darüber, ob eine selbständige Tätigkeit hauptberuflich ausgeübt wird oder nicht. Sie sollte daher frühzeitig über die Selbständigkeit und auch später regelmäßig über die Einkommensentwicklung (z. B. durch Vorlage eines Einkommensteuerbescheids) informiert werden. Andernfalls besteht die Gefahr, dass die Familienversicherung zu einem späteren Zeitpunkt rückwirkend beendet wird und Beiträge nachzuzahlen oder Leistungen zurückzuzahlen sind.
  • das monatliche Gesamteinkommen nicht höher als 385 Euro (2013) ist. (Die Einnahmen berechnen sich bei der selbständigen Tätigkeit nach dem Einkommensteuerrecht.) BAföG zählt nicht zum Gesamteinkommen!

Einkommen über 385 Euro: Ja – Hauptberuflich: Nein

Für „Unternehmer“Studierende, die mehr als 385 Euro monatlich verdienen, endet zwar die beitragsfreie Familienversicherung. Sofern sie aber ihre selbständige Tätigkeit nicht hauptberuflich ausüben, werden sie anschließend als Studierende krankenversicherungspflichtig. Die Beiträge zur Krankenund Pflegeversicherung sind damit festgelegt (für 2010: Krankenversicherung 64,77 Euro, Pflegeversicherung 12,24 Euro bzw. 13,73 Euro für kinderlose Studierende nach Vollendung des 23. Lebensjahres) und orientieren sich nicht am Einkommen aus der selbständigen Tätigkeit. Voraussetzung für eine freiwillige Versicherung ist eine vorherige Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung von mindestens zwölf Monaten.

Hauptberuflich: Ja

Wer seine Selbständigkeit trotz Studium hauptberuflich ausübt, ist weder über die Familienversicherung noch über die Pflichtversicherung für Studierende abgesichert. In diesem Fall besteht die Möglichkeit, sich entweder bei der gesetzlichen Krankenversicherung freiwillig weiter zu versichern oder in eine private Krankenversicherung zu wechseln. Voraussetzung für eine freiwillige Versicherung ist eine vorherige Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung von mindestens zwölf Monaten.

Zurück in die Familienversicherung

Wer seine Selbständigkeit wieder aufgeben möchte, kann während des Studiums wieder in die Familienversicherung der Eltern aufgenommen werden. Voraussetzung: Das 25. Lebensjahr ist noch nicht vollendet (ggf. um die Dauer der gesetzlichen Dienstpflicht verlängert) und auch das sonstige Einkommen überschreitet im Monat nicht 365 Euro (für geringfügig entlohnt Beschäftigte liegt die Einkommensgrenze bei 400 Euro).

BAföG

Das BAföG hat das Ziel, durch finanzielle Förderung von jungen Menschen ein Vollstudium in möglichst kurzer Zeit zu ermöglichen. Aufgrund dessen ist die Förderung meist auf die Förderungshöchstdauer (entspricht der in der Studien-und Prüfungsordnung festgelegten Regelstudienzeit) begrenzt. Ein Zuverdienst ist infolgedessen nur in geringem Umfang möglich.

Studierende, die BAföG beziehen, können bis zu 400 Euro monatlich verdienen, ohne dass die BAföG-Leistungen gekürzt werden. Ist das Einkommen der Studierenden höher oder verfügen sie über eigenes Vermögen von mehr als 5.200 Euro, verringert sich die BAföG-Zahlung.

Wichtig ist aber auch zu wissen, dass die Ausbildungsförderung nur geleistet wird, wenn „die Ausbildung die Arbeitskraft des Auszubildenden im Allgemeinen voll in Anspruch nimmt, also mindestens 40 Wochenstunden erfordert“. Spätestens zum Ende des 4. Fachsemesters muss mit dem „BAföG-Leistungsnachweis“ der Studienstand nachgewiesen werden. Dies könnte unter Umständen mit dem hohen Zeitaufwand einer Unternehmensgründung kollidieren.

Das BAföG wird in der Regel zu 50 Prozent als Zuschuss und zu 50 Prozent als zinsloses Darlehen gewährt. www.das-neue-bafoeg.de

Bildungskredit

Studierende können einen zinsgünstigen Bildungskredit erhalten: in Höhe von 100, 200 oder 300 Euro pro Monat. Innerhalb eines Ausbildungsabschnittes können bis zu 24 Monatsraten bewilligt werden. Für den Kredit fallen vom Tage der Auszahlung Zinsen an. Bis zum Beginn der Rückzahlung werden die Zinsen gestundet. Gefördert werden Personen, die die Voraussetzungen nach § 8 BAföG erfüllen und das 36. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Der Bildungskredit kann in der Regel nur bis zum Ende des 12. Studiensemesters gewährt werden. Vier Jahre nach Erhalt der ersten Rate muss der Kreditnehmer mit der Rückzahlung beginnen.

Forschungsergebnisse mit Gewinn vermarkten

Das ist, kurz gefasst, die Idee von wissensbasierten SpinoffGründungen. Ihren Ursprung haben solche Spinoffs immer in einer forschenden Muttergesellschaft, die für das Entstehen der Geschäftsidee quasi als Inkubator fungiert. Inkubatoren sind entweder forschungsintensive Unternehmen, Hochschulen oder Forschungseinrichtungen wie die MaxPlanckoder die FraunhoferGesellschaft.

Hohe Marktorientierung der Muttergesellschaft

Empirische Erkenntnisse zeigen, dass Spinoffs aus forschungsintensiven Großunternehmen besonders schnell Markterfolge realisieren. Offensichtlich spiegelt sich deren Marktorientierung in den Geschäftsmodellen der Spinoffs wider. SpinoffGründungen wie Apple Computers oder SAP sind prominente Beispiele hierfür. Wissenschaftliche Einrichtungen sollten, wenn sie erfolgreiche Inkubatoren sein wollen, ebenfalls eine stärkere Marktorientierung praktizieren und ihre Spinoffs entsprechend vorbereiten. Und sie können mit einem gründungsfreundlichen Arbeitsumfeld wichtige Impulse setzen.

Interessenausgleich mit der Muttergesellschaft

SpinoffGründer sind z.B. Hochschullehrer oder Mitarbeiter der Mutterorganisationen (Unternehmen oder wissenschaftliche Einrichtungen), die diese mit diesem Schritt verlassen und sich mit ihren Forschungs- oder Entwicklungsergebnissen und der daraus entwickelten Geschäftsidee selbständig machen. Dafür muss sichergestellt sein, dass die Mutterorganisation die Forschungsergebnisse zur wirtschaftlichen Verwertung freigibt – oft eine schwierige Einzelfallabwägung zwischen den Interessen der Beteiligten.

Solides kaufmännisches Know-how

Die Zusammensetzung des Gründungsteams, die Qualität des Businessplans, die Marktangemessenheit der Produkte bzw. des Leistungsprogramms und ein angemessenes Finanzierungskonzept sind tragende Säulen eines Erfolg

(Quelle: GründerZeiten 12, BMWi, Berlin)
(Bildnachweis: © xy – Fotolia.com)

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