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Der Import

EuropaletteDie Bundesrepublik Deutschland ist derzeit Vize-Exportweltmeister. Im öffentlichen Bewusstsein wird dabei übersehen, dass Deutschland auch eine Importnation ist. Im Jahr 2012 stiegen die aus dem Ausland importierten Waren auf einen Wert von 988 Milliarden Euro.

 

Die Gründe für einen Import sind vielfältig:

  • Rohstoffe gibt es nicht in Deutschland.
  • Waren werden nicht in Deutschland hergestellt.
  • Waren werden in anderen Ländern in besserer Qualität hergestellt.
  • Waren sind in anderen Ländern günstiger einzukaufen. Einer der Hauptgründe dafür sind niedrige Produktionskosten, die besonders bei lohnkostenintensiven Produkten zu Buche schlagen.

Wichtigster Importmarkt: EU

Die Waren kommen in erster Linie aus den anderen EU-Mitgliedstaaten, allen voran die Niederlande, Frankreich und Italien. Die Hauptlieferanten außerhalb der EU sitzen in der Volksrepublik China, in den USA, der Schweiz und Russland.

Typische Importgüter

Die Palette der am meisten eingeführten Produkte reicht dabei von Datenverarbeitungsgeräten, elektrischen und optischen Erzeugnissen, Kfz und Kfz-Teilen, Erdöl und Erdgas über chemische Erzeugnisse bis hin zu Maschinen und Rohstoffen.

Risiken beim Import

Wie bei jedem Geschäft gibt es nicht nur Vorteile. Es gibt auch Risiken (Rechtsunsicherheit, höhere Finanzierungskosten, längere Transportwege, hoher administrativer Aufwand), die zumindest teilweise durch eine gründliche Vorbereitung und Planung minimiert werden können. Eine Möglichkeit ist, einen Importhändler im Inland einzuschalten. Damit wird der Import für das importierende Unternehmen zu einem reinen Inlandsgeschäft.

Unternehmen für Import prüfen

Prüfen Sie zunächst, ob Ihr Unternehmen überhaupt für den Import gerüstet ist. Wichtige Fragen dabei: Verfügen die Mitarbeiter im Einkauf über die nötigen Sprachkenntnisse? Sind die Gepflogenheiten (Zahlungswege, traditionelle Liefer- und Versicherungskonditionen, kulturelle Besonderheiten) des Importlandes bekannt? Sind Kenntnisse/Erfahrungen mit der Einfuhrabwicklung (Zollabwicklung, Einfuhrgenehmigungspflichten) vorhanden?

Beschaffungsmarkt identifizieren

Wenn für Sie feststeht, welche Waren Sie einführen wollen, müssen Sie mögliche Beschaffungsmärkte identifizieren. Die Kriterien hierfür dürften in erster Linie Qualität und Preis sein. Aber auch die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen spielen ebenso wie die Ausfuhrvorschriften eine Rolle. Wichtige Informationen dazu liefern die Industrie- und Handelskammern, die Auslandshandelskammern, die Germany Trade & Invest – Gesellschaft für Außenwirtschaft und Standortmarketing mbH, Ländervereine sowie das Dienstleistungsportal www.portal21.de

Geschäftspartner finden

Wenn Sie einen oder auch mehrere Beschaffungsmärkte ausgewählt haben, müssen Sie dort geeignete Geschäftspartner finden. Dies stellt für viele Unternehmen häufig das größte Problem dar. Organisierte Kontaktbörsen, Inserate in Fachpublikationen, Aushänge auf Messen, die Auswertung von Messekatalogen, Branchenbüchern usw. sind gangbare Wege, an Kontaktadressen zu kommen. Der wahrscheinlich erfolgreichste Weg führt zur Auslandshandelskammer, die von der einfachen Adressrecherche bis hin zur Gesprächsbegleitung mit potenziellen Lieferanten vielerlei Dienstleistungen anbietet. Doch bevor der Weg auf den Auslandsmarkt startet, sollte die zuständige Industrie- und Handelskammer oder die Germany Trade & Invest – Gesellschaft für Außenwirtschaft und Standortmarketing mbH konsultiert werden.

Importbedingungen

Import aus EU-Mitgliedstaaten(innergemeinschaftlicher Erwerb)

  • Keine Zölle: Der Warenverkehr zwischen den EU-Mitgliedstaaten ist für Gemeinschaftswaren zollfrei, da die Zollgrenzen innerhalb der EU weggefallen sind. Bei Gemeinschaftswaren handelt es sich um Waren, die entweder in der EU hergestellt worden sind oder bei der Einfuhr aus Drittländern schon verzollt und versteuert wurden.
  • Nationale Vorschriften: Es gibt allerdings in den einzelnen Mitgliedstaaten nationale Rechtsvorschriften und unterschiedliche Richtlinien für die Etikettierung, die Sie beim Import beachten müssen. Letzteres trifft z.B. vor allem für Agrarerzeugnisse, Lebensmittel und pharmazeutische Erzeugnisse zu.
  • Mehrwertsteuer (Umsatzsteuer): Derzeit gibt es in den verschiedenen EU-Mitgliedstaaten unterschiedlich hohe Mehrwertsteuersätze. Daher gilt für die Mehrwertsteuer derzeit eine Übergangslösung: So werden Lieferungen von Unternehmen an Unternehmen im Käuferland besteuert (Erwerbsbesteuerung). Um sich als Unternehmen auszuweisen, wird auf den Rechnungen sowohl die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer (USt-IdNr.) des Lieferanten als auch des Beziehers angegeben. Privatpersonen bezahlen in der Regel die Mehrwertsteuer im Verkäuferland. Sonderregelungen gelten für den Versandhandel: für Privatpersonen, für die es je nach Land Lieferschwellen gibt, oder für den Erwerb eines neuen Fahrzeugs. Die USt-IdNr. erteilt das Bundeszentralamt für Steuern mit Dienstsitz in Saarlouis: www.bzst.bund.de
  • Auskunftspflicht: Alle natürlichen und juristischen Personen, die jährlich für mehr als 400.000 Euro Waren aus der EU beziehen, sind gegenüber dem Statistischen Bundesamt in Wiesbaden auskunftspflichtig. Sie müssen eine so genannte Intrastat-Meldung abgeben. Von der Auskunftspflicht befreit sind Privatpersonen und Unternehmen, deren Wareneingänge unterhalb des Schwellenwertes liegen.

Import aus Drittländern

  • Einfuhrbeschränkungen oder -verbote: Generell ist die Einfuhr von Waren aus Drittländern ohne besondere Förmlichkeiten möglich. Dennoch gibt es für bestimmte Waren Einfuhrbeschränkungen oder gar -verbote. So dürfen beispielsweise Textilien und Schuhe aus einigen asiatischen Ländern aus handelspolitischen und wirtschaftspolitischen Gründen nur in beschränkten Mengen eingeführt werden. Daneben dürfen bestimmte Produkte generell nicht oder nur unter bestimmten Voraussetzungen importiert werden. Dies können z. B. international geschützte, vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten sein. Klären Sie also vor der Einfuhr, ob die Waren, die Sie einführen wollen, Einfuhrbeschränkungen oder gar -verboten unterliegen. Genehmigungsbehörde für Waren der gewerblichen Wirtschaft ist das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (www.bafa.de), für landwirtschaftliche Produkte die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) (www.ble.de). Wenn die Einfuhr mengenmäßig beschränkt ist, müssen Sie vor der Einfuhr klären, ob noch Kontingente zur Verfügung stehen oder ob sie bereits ausgeschöpft sind. Sind Kontingente verfügbar, müssen Sie für diese Produktgruppen eine Einfuhrgenehmigung beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle einholen. Weitere Informationen gibt die Zentralstelle für Zollkontingente.
  • Einfuhrlizenzen: Ob Sie für Ihre Ware eine Einfuhrlizenz benötigen, kann man anhand des Einfuhrzolltarifs bzw. der Einfuhrliste ermitteln. Die Einfuhrliste ist im Elektronischen Zolltarif (EZT) integriert: www.zoll.de. Falls Sie eine Einfuhrlizenz brauchen, müssen Sie rechtzeitig vor der Einfuhr bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung mit dem EU-einheitlichen Vordruck (Einfuhrlizenz-AGRIM) die Genehmigung zur Einfuhr beantragen. Auskünfte erteilt das BLE (www.ble.de) telefonisch.
  • Zölle: Importe aus Drittländern werden in allen EU-Ländern (falls überhaupt) mit den gleichen Zöllen belastet. Genauere Informationen enthält der Zolltarif der EU (www.ezt-online.de). Um hier Informationen abrufen zu können, benötigen Sie die richtige Zolltarifnummer (elfstellige Warennummer). Gibt es Zweifel an der vom ausländischen Lieferanten genannten Warennummer, so können Sie sich an das Hauptzollamt Hannover, Waterloostraße 5, 30169 Hannover wenden. Weitere Details finden Sie unter www.zoll.de. Ein Warenverzeichnis mit Zolltarifnummern ist auch im Buchhandel oder beim Statistischen Bundesamt (www.destatis.de Außenhandel Klassifikationen) erhältlich. Auskünfte erteilen auch die Industrie-und Handelskammern und die Zollämter. Ihre Einfuhrware müssen Sie beim Einfuhrzollamt – in der Regel das Grenzzollamt – oder im Rahmen besonderer Verfahren (Versandverfahren) beim Bestimmungszollamt – in der Regel das Zollamt am Unternehmenssitz – vorführen.
  • Weitere Bestimmungen: Für Importwaren müssen die zahlreichen Kennzeichnungs- und Schutzvorschriften beachtet werden, die sich aus deutschen und EU-Vorschriften ergeben, wie z. B. für Lebensmittel, Kosmetika und Medizinprodukte. Ebenfalls einzuhalten sind die technischen Regelwerke nach der EG-Konformitätserklärung und der CE-Kennzeichnung für Maschinen, elektrische und elektronische Apparate, Spielwaren usw.

(Quelle: GründerZeiten 09, BMWi, Berlin)
(Bildnachweis: ©-cmfotoworks – Fotolia.com)

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