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Steuern für Unternehmer – ein kurzer Überblick

SteuernFür viele ist es ein leidiges Thema: Steuern. Das liegt vor allem daran, dass die Steuererklärung „auf dem Bierdeckel“ bislang reine Illusion ist. Doch wer als Unternehmer trotz erfolgreicher Geschäfte am Ende keine bösen Überraschungen erleben möchte, sollte die Steuern stets im Blick haben. Auch wenn der Steuerberater hilft: Es ist Ihre Pflicht zu wissen, mit welchen Steuerarten Sie sich auseinandersetzen müssen!

Und einfach ist das Steuerrecht auch nicht. Es gehört zu den kompliziertesten weltweit. Je nach Rechtsform muss sich der Unternehmer mit der Einkommensteuer, der Körperschaftssteuer, der Gewerbesteuer und die Umsatzsteuer auseinandersetzten. Und das sind nur die wichtigsten!

Einkommensteuer

Die Einkommensteuer ist eine linear-progressive Steuer. Die Steuerbelastung steigt mit der Höhe des Einkommens. Der Eingangssteuersatz beträgt zur Zeit 14 Prozent, der Spitzensteuersatz 42 Prozent. Wenn Sie zu den Unternehmern gehören, die ein sehr hohes Einkommen erzielen (Alleinstehende 250.000 Euro, Verheiratete 500.000 Euro) , beträgt der Spitzensteuersatz sogar 45 Prozent. Jedem Steuerschuldner steht ein Freibetrag in Höhe von 8.354 EUR zu, d.h. dieser Betrag ist steuerfrei.

Bei Gründung eines Unternehmens verlangt das Finanzamt oft eine Selbsteinschätzung. Das Finanzamt setzt daraufhin Vorauszahlungen auf die zu erwartende Steuerlast fest. Der Gründer sollte seine erwarteten Gewinnerwartungen daher sehr vorsichtig einschätzen.

Die Vorauszahlungen sind quartalsweise zu zahlen (10. März, 10. Juni, 10. September, 10. Dezember).

Körperschaftssteuer

Die Körperschaftsteuer ist die „Einkommensteuer der Kapitalgesellschaften“, also z. B. eine GmbH. Gegenüber dem linear-progressiven Tarif der Einkommensteuer beläuft sich der Körperschaftsteuersatz einheitlich auf 15 Prozent. Auf Ausschüttungen aus Anteilen, die im Privatvermögen des Gesellschafters gehalten werden, fällt eine pauschale Abgeltungssteuer in Höhe von 25 Prozent an. Werden die Anteile im Betriebsvermögen gehalten, findet das sogenannte Teileinkünfteverfahren Anwendung. Danach werden 60 Prozent der Ausschüttung besteuert.

Die Vorauszahlungen sind, wie bei der Einkommensteuer, quartalsweise zu zahlen.

Gewerbesteuer

Die Gewerbesteuer ist eine kommunale Steuer mit einem eigenen Hebesatzrecht der Gemeinde. Sie berechnet sich aus dem Gewerbeertrag, einer Steuermesszahl von 3,5 Prozent sowie dem kommunalen Hebesatz. Sie kann deshalb in der Höhe erheblich variieren. Die Gemeinden sind verpflichtet, mindestens einen Hebesatz von 200 Prozent zu erheben. Die Hebesätze liegen in einzelnen Städten über 490 Prozent. Die Hebesätze der Region haben wir für Sie zusammengestellt.

Einzelunternehmen und Personengesellschaften wird beim Gewerbeertrag ein Freibetrag in Höhe von € 24.500 gewährt. Ein Gewinn bis zu dieser Höhe bleibt somit gewerbesteuerfrei. Kapitalgesellschaften zahlen dagegen vom ersten Euro Gewinn an Gewerbesteuer.

Die Vorauszahlungen sind ebenfalls quartalsweise zu zahlen.

Umsatzsteuer

Steuersystematisch bezweckt die Umsatzsteuer nur die Belastung des Endverbrauchers (Konsum). Die Regelsteuersätze betragen 19 Prozent und – für einige Güter des täglichen Bedarfs – sieben Prozent. Jeder Unternehmer ist verpflichtet, seine Lieferungen oder Leistungen mit Umsatzsteuer zu berechnen. Auf den Nettorechnungsbetrag sind also jeweils 19 Prozent bzw. sieben Prozent aufzuschlagen und an das Finanzamt abzuführen.

Der Unternehmer ist berechtigt, die ihm belastete Umsatzsteuer (verauslagte Umsatzsteuer oder Vorsteuer) als Forderung gegen das Finanzamt geltend zu machen. Erst der Saldo aus vereinnahmter Umsatzsteuer (Mehrwertsteuer) und verauslagter Umsatzsteuer (Vorsteuer) ergibt die Zahllast an das Finanzamt oder einen Erstattungsbetrag vom Finanzamt an den Unternehmer.

Bei hohen Vorsteueransprüchen (oft im Gründungsstadium) kann sich sogar ein Guthaben ergeben, das auf Antrag erstattet wird.

Bis zum 10. des Folgemonats ist jeweils eine Umsatzsteuervoranmeldung beim Finanzamt einzureichen. Die Anmeldung muss elektronisch über das ELSTER-Portal erfolgen. Gleichzeitig ist die entsprechende Zahlung fällig. Grundsätzlich richtet sich die Erfassung der Steuerbeträge nach der Rechnungsstellung, also nicht nach dem Zahlungseingang. Dies gilt auch für Teilleistungen, bei denen das Gesamtentgelt auf einzelne Raten aufgeteilt wurde.

Eine zusammenfassende Meldung ist bis zum 25. Tag des Folgemonats dem Bundeszentralamt für Steuern elektronisch zu übermitteln. In ihr sind alle Lieferungen innerhalb der Europäischen Union (EU) aufzuführen.

Der Zweck dieser zusammenfassenden Meldung besteht darin, innergemeinschaftliche Exportumsätze zu erfassen, da seit 1993 keine Grenzkontrollen mehr zur Überprüfung des Exports existieren. Für den grenzüberschreitenden Lieferungs- und Leistungsverkehr wird eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer, die beim Bundeszentralamt für Steuern auf Antrag erhältlich ist, benötigt.

Eine bedeutsame Erleichterung für viele Gründer ist die sogenannte Kleinunternehmerregelung. Frei von Umsatzsteuer sind Unternehmen, deren Vorjahresumsatz nicht mehr als € 17.500  betrug und im laufenden Kalenderjahr voraussichtlich € 50.000 nicht übersteigen wird. Bei Neugründungen bezieht sich die Umsatzprognose auf den erstgenannten Wert. Auf diese Befreiung kann aber verzichtet werden (Option für die Umsatzsteuer). Das ist wegen der dann möglichen Vorsteuererstattung sinnvoll, falls in der Anlaufphase größere Investitionen getätigt werden.

Mehr gibt es am 13.3.2014 beim Vortrag Steuern und Finanzbuchhaltung.

(Bildnachweis: DD-Kopf-mit-Karton1-XS2-Fotolia_41608749_XS – Fotolia.com)

2 Gedanken zu “Steuern für Unternehmer – ein kurzer Überblick

  1. Ich finde den Artikel sehr interessant und auch für etwas „erfahrenere Gründer“ (ich habe 2 Firmen gegründet) interessant. Ich kann auch http://www.der-onlinesteuerberater.de empfehlen, dort gibt es ein kosnteloses Buhhaltungstool. Habe mich dort angemeldet und mache meine Umsatzsteuervoranmeldung kostenfrei via ELSTER. Meinen Jahresabschluss mache ich dann mit den eingespeicherten Daten selber. Kann ich nur empfehlen und für Gründer ist es cool, weil die große Hürde Umsatzsteuervoranmeldung entfällt.

    • Vielen Dank für Ihren Beitrag. Allerdings möchte ich auf zwei Punkte hinweisen. So ein Portal ist sicher ziemlich hilfreich, ersetzt aber nicht in jedem Fall einen Steuerberater. Die große Hürde „Umsatzsteuervoranmeldung“ entfällt nicht. Die Umsatzsteuervoranmeldung muss fristgrecht dem zuständigen Finanzamt vorgelegt werden. Es sei denn, es liegt eine Befreiung nach §19 UStG (Option für die Umsatzsteuer) vor, oder der Unternehmer ist grundsätzlich nicht Umsatzsteuerpflichtig.

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