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Der Weg zum eigenen Webauftritt – steinig, aber spannend

GoldfischeDas Internet gewinnt für die Marketingstrategie jedes Unternehmens zunehmend an Bedeutung. Schon klar, wissen wir bereits.

Social Media Marketing ist quasi unverzichtbar, um seinen Kundenstamm und vor allem seinen Streukreis effektiv zu erweitern. Mag sein, kommt auf die Vorgehensweise an, aber vor allem: Wissen wir bereits. Aber wie wirken sich diese Fakten eigentlich auf den beruflichen Alltag eines Internetunternehmers, aber auch auf den seiner potenziellen Kunden aus? Ahhh, hier wird es also interessant. Die zunehmende Komplexität eines zeitgemäßen Webauftritts und die quantitative Steigerung der Anzahl an Webagenturen führen vor allem zu folgenden Stichpunkten:

  • Verlust der Marktübersicht
  • Schwarzen Schafen auf Kunden- und Dienstleisterseite
  • Abnahme der Kundenorientierung durch Konkurrenzkampf und Zeitdruck bei Projekten
  • Da das Internet eines, wenn nicht sogar DAS flexibelste Medium unserer Zeit ist, wandeln sich somit auch ständig die Erwartungshaltungen der Kunden und technischen Anforderungen der Webdesigner
  • Kompetente Beratung wird zunehmend wichtiger
  • Internet ist nicht länger Nebenbeschäftigung, sondern wird zu einem eigenen Bereich jedes Unternehmens, wie die IT Abteilung oder die Buchhaltung. (kleiner Tipp: Beauftragen Sie keine dieser beiden Abteilungen ersatzweise mit der Umsetzung des eigenen Webauftritts)

Diese Stichpunkte wiederum führen zu jeder Menge Möglichkeiten, aber auch zu jeder Menge Hürden auf dem Weg zum eigenen erfolgreichen Webauftritt – ob als Existenzgründer, Mittelständer oder Großkonzern.

Worauf sollten Sie bei der Agenturauswahl achten? Wie kann man die Zusammenarbeit zwischen Kunden und Dienstleister zum beiderseitigen Vorteil optimieren? Welche Inhalte machen, je nach Unternehmensgröße und Branche überhaupt Sinn?

Zu diesen Hürden und der Überwindung Selbiger möchte ich, vor allem basierend auf eigenen Erfahrungen in diesen Bereichen, ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern. Vielleicht helfen Ihnen meine Erfahrungen bei Ihrem nächsten Verkaufsgespräch als Webdesigner, oder aber bei der Agenturauswahl, wenn Sie selbst auf der Suche nach einem Webdienstleister für Ihren eigenen Webauftritt sind. Nehmen Sie nicht jedes Wort für bare Münze, denn Beispiele wirken nur gut, wenn sie ein wenig überzogen sind. Ziehen Sie, wie bestenfalls immer, Ihre eigenen Schlüsse.

Hürde Nr. 1 – Die Kundenwünsche

Im Alltag als freiberuflicher Dienstleister im Bereich Webdesign und Online Marketing lernt man so einiges über Kunden. Natürlich kann dies jeder Kaufmann, egal welcher Branche, bestätigen, aber ich behaupte einfach mal, dass, gerade im kreativen Dienstleistungsbereich, die Monarchie unter König Kunde noch mit eisernem Notiz- und Scheckbuch, sowie selbst recherchierten Informationen gepflegt wird. Natürlich ist das gewissermaßen auch wünschenswert. Aber nicht nur Webdesigner können stundenlang von „überinformierten“ Kunden berichten, die nur dann denken gründlich gewesen zu sein, wenn die eigens abgefeuerte Salve aus Fremdwörtern beachtet wird.

Auch Ärzte, die beispielsweise mit Patienten zu kämpfen haben, die im Internet gelesen haben, dass die Symptome Bauchschmerzen und Blähungen eindeutig auf eine seltene Darmkrankheit hindeuten, oder aber das zuckende Auge als einen unfehlbarer Hinweis auf ein Retinoblastom (bösartiger Tumor im Auge) und nicht etwa auf Stress oder Übermüdung auffassen, können sicherlich interessante Geschichten erzählen.

Wundern Sie sich als Webdienstleister also nicht, wenn Sie zwei Tage nach Veröffentlichung einer Website wütende Anrufe bekommen, weil die Internetseite des Kunden noch nicht auf Platz 1 bei Google steht, obwohl die Worte „Möbel“ und „günstig“ eindeutig im selbstverfassten Text auf der Startseite vorkommen. Beim großen Möbelhaus am gleichen Standort funktioniere das doch auch.

Als Kunde dürfen Sie sich ebenfalls nicht wundern, wenn der Partner bei der Realisierung der eigenen Website beginnt lauter zu atmen, oder in extremen Fällen auch einfach mal das Telefon inklusive Ihrer Stimme in Richtung Zimmerwand wirft, wenn die Stimme aus dem Hörer „noch mal schnell das andere Bild“ im fertig gecodeten und angepassten Headbereich sehen möchte, oder sich spontan dazu entschlossen hat, dass eine Slideshow auf der Startseite doch schöner aussehen würde, als ein fixes Bild. Und ein Tool, um ständig aktuelle Rabattaktionen auf der Startseite anzeigen zu können wäre auch noch schön. Sieht noch so leer aus auf der Landingpage. Und irgendwie sieht das Design doch zu steril aus. Das soll Flat Design sein? Da ist doch nur weiß? Wie wäre es mit einem Regenbogen im Hintergrund?

Es gibt noch viele weitere Beispiele. Der Kunde, der, nach einem fertigen Entwurf, nach von ihm vorgegebenen Beispielen, anfängt, mit Fachbegriffen um sich zu schmeißen, um das Gefühl zu bekommen, selbst etwas für die Website getan zu haben und der Entwurf, nach diesen Änderungen, den niemals vorhanden gewesenen Charme längst vergangener Internetzeiten versprüht.

Hürde Nr. 2 – Die richtige Agentur und der Traumkunde

Die eigenen Wünsche und Ansprüche an den neuen Webauftritt sind formuliert und sinnvolle Komponenten wurden aus der Informationsflut herausgefischt? Sehr gut, bleiben Sie vorerst bei diesen formulierten Ansprüchen, denn das Schöne am Internet ist, dass nichts endgültig ist. Sie können jeder Zeit Änderungen am eigenen Projekt vornehmen, oder vornehmen lassen.

Sicherlich wird man im Internet nach fünf Minuten noch viel mehr Möglichkeiten entdecken, sich zu präsentieren. Aber sind diese wirklich alle optimal für Sie? Der optimale Partner im Internet sollte sich für ein Unternehmen interessieren, bevor er ein Konzept und Entwürfe erstellt, eine transparente Preispolitik verfolgen, Referenzen vorweisen können und vor allem einen Plan für die weitere Zusammenarbeit nach der ersten Fertigstellung des Webauftritts haben, denn eine Online Kampagne braucht Pflege.

Der Kunde wiederum sollte auskunftsfreudig sein, denn eine gute Umsetzung eigener Wünsche basiert auf einer detaillierten Schilderung eben dieser und man sollte versuchen Verständnis für Zusammenhänge aufzubringen, die einem auf den ersten Blick nicht klar sind. Fragen Sie gern genauer nach um aus den Antworten herauszuhören, ob etwas tatsächlich nicht so umsetzbar ist, wie man es sich vorgestellt hat, oder aber, ob dem Partner das nötige Fachwissen fehlt.

Als Kunde sollte man dem Webdesigner übrigens erst mal etwas Freiraum lassen, denn erst an einem fertigen Entwurf kann man letztendlich die erste Kompetenz erkennen. Sollte dieser, trotz ausführlichen Gesprächen, keineswegs den Vorstellungen entsprechen, muss man nicht anfangen, den Entwurf auseinanderzunehmen. Zuerst gilt es nach Missverständnissen suchen.

Anschließend ist zu beachten, dass nicht jede Webagentur alles kann. Man sollte bei Anfragen also sehr konkret sein und so genau wie möglich formulieren, was man sucht. Allgemeine Anfragen wie „Ich brauche jemanden, der mir eine Website baut.“ Oder „Lassen Sie mir bitte ein paar Entwürfe zukommen“ führt wahrscheinlich zu nichts. Besser wäre da schon „Ich bin ein Kleinunternehmer aus der Stadt X und möchte den Streukreis meiner Werbung erhöhen. Außerdem möchte ich bei Google unter den folgenden Begriffen besser zu finden sein. Welche Methoden können Sie mir als Agentur anbieten?“. Stellen Sie viele Fragen, schließlich handelt es sich um eine Anfrage und keine Anordnung.

Außerdem sollte man nicht zögern, gezielt nach Preisen zu fragen. Eine Agentur, die hier nicht ausweicht und sofort konkrete Angebote erstellt, sollte in der eigenen Liste möglicher Partner um einige Plätze aufsteigen.

Viele Agenturen arbeiten auf Stundenbasis, da die der genaue Leistungs- und Zeitumfang eines Projekts sehr schwer vorherzusagen ist. Eine gute Vorbereitung beiderseits schafft dort selbstverständlich Abhilfe.

Es ist allerdings legitim als potenzieller Kunde Arbeitsprotokolle und ungefähre Prognosen zu verlangen. Sollte dies verweigert werden, kann man die Agentur von der oben genannten, imaginären Liste streichen.

Für den Kunden ist es natürlich auf den ersten Blick einfacher, mit Pauschalen zu kalkulieren und es gibt auch Webagenturen, die erfolgreich so arbeiten. Bei diesen Angeboten muss allerdings genau darauf geachtet werden, was im Leistungsumfang enthalten ist.

Hürde Nr. 3 – Effiziente Zusammenarbeit

Der Plan steht, der Webdesigner gewählt, also kann es losgehen. Doch was stellt der jetzt plötzlich für seltsame Fragen? Wo ich hosten möchte? Welches Content Management System möchte ich verwenden? Er empfiehlt „Joomla“…was ist das überhaupt? Sollen die Bilder einfaden oder soll es einen harten Übergang geben? Eine Slideshow im Headbereich? Ein Drop Down Menü oder eine Icon Lösung? Skeuomorphic Design oder Flat Design? Typographie?

All diese Fragen müssen Sie nicht beantworten können, denn diese Entscheidungen sind ein Großteil der kreativen Arbeit, für die der Designer letztendlich auch bezahlt wird (Ja, liebe Webdesigner, neben Coden und all dem hohen Blutdruck bezüglich Microsoft). Als Kunde sollte man ihm ein wenig freie Hand lassen, bevor man sich mit einem riesigen Input an Fachbegriffen belastet, aber letztendlich trotzdem nicht weiß, wie das Endprodukt aussehen wird. Bevor ein Webprojekt offiziell fertiggestellt ist, wird man es selbstverständlich abnehmen müssen. Je nach Preispolitik, ob nach Stunden oder Pauschalen, werden Änderungen, die vom ursprünglich besprochenen Entwurf abweichen, unterschiedlich zu Buche schlagen.

Es macht also Sinn, eine Seite vor Augen zu haben und vielleicht mal zu Stift und Papier zu greifen und eine Skizze anzufertigen und Änderungswünsche bei der Entwurfspräsentation zu besprechen, denn in dieser Phase sind Änderungswünsche selbstverständlich. Warten Sie aber nicht, bis die Website fertig ist, um dann das komplette Design umzukrempeln. Die Frage nach dem Hostinganbieter und dem CMS sind davon ausgenommen und sollten im Idealfall vor der Umsetzung des Projekts geklärt werden.

Außerdem sollte man sich auf seinen eigenen Geschmack verlassen, vor allem wenn der Webdesigner ihn bestätigt. Nicht jeder Freund, Kunde oder Geschäftspartner, der seinen Senf zu den Entwürfen Ihrer neuen Website gibt, hat auch Ahnung, wovon er spricht und nicht jeder Webdesigner freut sich darüber, wenn jede Änderung mit der Aussage einer dieser Personengruppen begründet wird. Konstruktive Kritik ist immer erwünscht, aber wenn Sie sich einen Porsche kaufen, wird nicht jeder Nachbar sagen „Oh klasse, wir freuen uns so für Dich“, sondern eher „Von Porsche hört man aber auch nicht nur Gutes.“

Als Agentur oder selbstständiger Webdesigner ist außerdem stets darauf zu achten, dem Kunden genug Auswahlmöglichkeiten zu bieten und seine Änderungsvorschläge nicht grundsätzlich abzulehnen. Wenn eine Idee definitiv ein Don’t ist, sollte man dies jedoch sachlich erläutern.

Wenn man Inspiration in Form von Links zu Seiten anfordert, die dem Kunden gefallen, sollte man nicht vergessen, den Kunden zu fragen, was genau ihm an diesen Seiten gefällt. Folgende Punkte in einem Kundeninterview abzuhaken könnte helfen (sie stammen aus unserem Standardinterview, welches wir bei jedem Erstgespräch führen):

  • Eventuelle Farbwünsche des Kunden und den Abgleich mit der allg. Farbenlehre
  • Nachfragen, ob bereits Firmenlogo, Fotos etc. in elektronischer Form vorhanden sind
  • Beispielseiten des Kunden
  • Konkret festhalten, was die Seite beinhalten soll
  • Corporate Identity vorhanden, die umgesetzt werden muss
  • Was zeichnet das Unternehmen aus? Schlagworte, Slogans
  • Sehr wichtig: Rechte an eventuell vorhandenen Fotos geklärt?
  • Lassen Sie den Kunden das Interview unterschreiben

Es ist also immer sinnvoll, ein Projekt vor dem Beginn jeglichen Arbeitsaufwands möglichst ausführlich zu besprechen, von der Preisgestaltung bis zum letzten Menüunterpunkt.

Und wenn man einem Webdesigner Änderungsvorschläge mitteilt, vermeidet man am besten folgende Formulierungen:

  • Meiner Tochter gefällt das nicht
  • Da ist so viel weiße Fläche. Ich will was sehen für mein Geld
  • Mein Geschäftspartner sagt….
  • Es soll modern aussehen („Make it pop!“)

Hürde Nr. 4 – Die Abwicklung

Für viele Webdesigner, als auch für ihre Kunden, die schwerste Hürde. Aber auch diese ist eigentlich recht leicht zu meistern.

Für Dinge etwas zu bezahlen, deren Produktionsablauf, sowie deren eigentlicher Wert, nicht materiell greifbar sind, fällt jedem schwer. Hierbei ist zu beachten, dass die Fertigstellung eines Projekts, welches einem selbst im Idealfall neue Kunden bringt, für einen Webdesigner mehrere Tage und auch Wochen an Arbeit in Anspruch nimmt, für welche man ihn letztendlich bezahlt. Ein professioneller Webauftritt ist schon lange nichts mehr, was man nach Feierabend an seinem heimischen PC mit etwas Zeit selber umsetzen kann. Man kann zu kostengünstigen Alternativen wie einem Homepageeditor oder Ähnlichem greifen, aber dem Ergebnis wird man es eindeutig ansehen, wenn man bei der Suche nach der Agentur mit Geduld vorgeht.

Und allen Webdesignern kann ich nur empfehlen, bei Kunden, die Sätze sagen wie „Mein Neffe macht das mit Photoshop für 10 €“ oder „Meine Mutter hat 1972 mal einen Flyer für eine Bäckerei entworfen. Man kann also sagen sie hat ein Auge dafür“, schnell das Weite zu suchen.

Da für die Umsetzung eines Projekts spätestens nach dem ersten Entwurf sehr viel Arbeitsaufwand für einen Webdesigner entsteht, ist es nicht ungewöhnlich und sogar für beide Seiten empfehlenswert, wenn Designer mit Verträgen arbeiten, welche den Zahlungsablauf, den Zahlungstermin, den Leistungsumfang und einen Fertigstellungstermin beinhalten. Man sollte nur darauf achten, dass keine monatlichen Kosten für das Hosting bereits jetzt vertraglich geregelt werden, außer dies wurde vorher so besprochen.

Allerdings bieten viele gute Agenturen eine sehr lohnenswerte Alternative zu herkömmlichen Hostinganbietern, die kompetenten Support, Werbefreiheit und eine gute Wartung beinhalten. Meistens ist dies ein wenig teurer, als die bekannten, Mainstreamanbieter, lohnt sich aber und sollte auf jeden Fall im Beratungsgespräch angesprochen werden. Bei der Wahl des richtigen Hostinganbieters ist wesentlich mehr zu beachten, als die monatliche Pauschale.

Noch zu erwähnen wäre, dass es ebenfalls nicht unüblich ist, dass entsprechende Dienstleister eine anteilige Vorabzahlung verlangen, da es noch nicht bei jedem Kunden ins Bewusstsein durchgedrungen ist, dass man mit einer Website eine herkömmliche Ware kauft, die letztendlich auch bezahlt werden muss. Ohne entsprechende Absicherung wird dann gern bei der ersten Komplikation ein neuer Webdesigner gesucht, obwohl der Vorherige schon einen erheblichen Arbeitsaufwand geleistet hat und die Komplikationen vielleicht auch nur in den Augen von Hans, Peter, Georg oder Barbara welche sind.

Wenn all diese Hürden mehr oder weniger gemeistert wurden, steht einem erfolgreichen Webauftritt eigentlich nicht mehr viel im Wege, außer ein paar Wochen Arbeitszeit.

(Ein Gastbeitrag von Arne Heddinga, das eProjekt)

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