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Gesellschaftliche Verantwortung leben: das soziale Stiftungsunternehmen

Prof_Dr_Lutz_FruehbrodtMehr als 20.000 Unternehmen pro Jahr suchen nach einer geeigneten Nachfolgeregelung. Und folgende Konstellation dürfte dabei eher häufig als selten vorkommen: Ein Unternehmer, zwischen 60 und 75 Jahre alt, mittelständisches Unternehmen, rundum solide. An seine Kinder kann oder will der Chef den Betrieb nicht vererben. An die Konkurrenz oder an einen Finanzinvestor möchte er das Unternehmen auch nicht verkaufen. Was also tun?

Eine alternative und in vielerlei Hinsicht sehr vorteilhafte Lösung: Das Unternehmen auf Dauer von einer Stiftung tragen zu lassen, die der Unternehmer selbst gründet. Mit dem Optoelektronik-Konzern Carl Zeiss  wurde 1891 das erste Unternehmen in Deutschland in ein Stiftungsunternehmen umgewandelt. Danach passierte fast ein Jahrhundert lang nichts Vergleichbares. Dann übertrug Klaus Hoppmann-König das Betriebskapital seiner Autohauskette (Umsatz 2011: 94 Mio. Euro) auf eine Bürgerstiftung. Das war 1974. Seitdem haben es rund 500 Unternehmer dem Reformmanager aus Siegen nachgetan – von kleineren Unternehmen bis zu Konzernen.

Dabei gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten, wie sich die Beziehung zwischen Unternehmen und Stiftung gestalten lässt. Oft hängt dies von den Motiven des Stiftungsgründers ab. Eine Sonderform stellt die des „sozialen Stiftungsunternehmens“ dar, wie sie auch die Hoppmann Autowelt gewählt hat. Sie zeichnet sich durch eine Reihe bestimmter Komponenten aus, die sich in der Stiftungssatzung festschreiben lassen und damit auf Dauer Bestand haben:

  • Der bisherige Eigentümer überführt das Unternehmensvermögen in eine Stiftung, die zur alleinigen Eigentümerin des Unternehmens wird. Das Kapital wird damit „neutralisiert“, da es keine Eigentümer (etwa in Gestalt von Erben) mehr gibt, die ihre spezifischen Interessen durchsetzen wollen – zum Beispiel eine höhere Rendite oder Sonderdividenden.
  • Der Großteil des jährlich erwirtschafteten Gewinns fließt zurück in das Unternehmen – für Investitionen und/oder um die Eigenkapitalbasis zu stärken, die bei diesen Unternehmen oft eine Quote von rund 50 Prozent erreicht. So wird für Stabilität gesorgt und Unabhängigkeit gewahrt, kurzum: die Zukunft des Unternehmens inklusive seiner Arbeitsplätze gesichert.
  • Ein weiterer Teil des Gewinns wird an die Mitarbeiter ausgeschüttet – und zwar in gleicher Höhe pro Beschäftigtem. Dies resultiert aus der Überlegung, dass alle Mitarbeiter in (relativ) gleichem Maße zum Unternehmenserfolg beitragen, motiviert die Beschäftigten aber auch zusätzlich.
  • Vorrangig ist zwar die betriebswirtschaftliche Trägerfunktion der Stiftung. Doch zumindest ein kleiner Teil der Gewinne fließt an die Stiftung, die diese für soziale und gemeinnützige Zwecke einsetzt. So fördert die Hoppmann-Stiftung „Demokratie im Alltag“ Projekte für benachteiligte Jugendliche.
  • Das Unternehmen agiert gegenüber seinen Vertragspartnern/Zulieferern und seinen Kunden mit einem hohen Maß an sozialer Verantwortung – und verhält sich auch gegenüber seinen Konkurrenten stets fair.

Einfluss wahren und sich ein Denkmal setzen

Ohne Frage kostet es große Überwindung, auf diese Weise sein Unternehmen aus den Händen zu geben. Doch ist der Kontrollverlust wirklich so groß? Klares Nein. Mit der Stiftungslösung wahrt der Eigentümer deutlich mehr Einfluss,  als wenn er sein Lebenswerk einfach verkaufen oder an seine Kinder vermachen würde, die möglicherweise ganz andere Vorstellungen von einem modernen Unternehmen haben. Über die Stiftungssatzung hingegen kann der Unternehmer den Geist und die Kultur seines Hauses auf Dauer bewahren. Der bisherige Eigentümer kann zudem als Stiftungsvorstand weiter Einfluss auf den großen Kurs nehmen. Nicht zuletzt kann sich der Senior-Unternehmer ein Denkmal setzen. Und zwar nicht nur als Gründer einer mildtätigen Stiftung, sondern auch als sozial handelnder Manager. Gerade in einer Zeit, in der soziale Verantwortung eine immer wichtigere Rolle spielt, dürfte er damit breite Anerkennung in der Gesellschaft finden. Und auf Dauer in Erinnerung bleiben.

(Ein Gastbeitrag von Prof. Dr. Lutz Frühbrodt, Hochschule Würzburg-Schweinfurt)

(Bildnachweis: DE-CODA GmbH (Prof. Dr. Lutz Frühbrodt) 2©-Marco2811 – Fotolia.com)

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