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Praxistipps für Gründungen im Handel

Carrello spesaGewerberecht

Wer ein Handelsunternehmen gründen will, muss dabei (nach dem Gewerberecht) in aller Regel keine besonderen Qualifikationen nachweisen können. Ausnahmen sind z. B. der Handel mit Waffen, mit frei verkäuflichen Arzneimitteln oder bestimmten Tieren: Hier müssen Gründer je nachdem die persönliche Zuverlässigkeit sowie sachliche und/oder fachliche Voraussetzungen mitbringen und nachweisen.

Kenntnisse

Neben der persönlichen Eignung benötigen Gründerinnen und Gründer Fachkenntnisse (über die Handelsware), Branchenkenntnisse (Wie wird sich der Markt für bestimmte Waren entwickeln?) sowie kaufmännisches Wissen (Wie werden Kosten berechnet? Wie werden Preise kalkuliert?). Daneben sind gerade in kleineren Geschäften aber auch kommunikative Fähigkeiten im Umgang mit den Kunden und soziale Kompetenz gefragt.

Franchising

Im Franchising wird ein fertiges und erprobtes Unternehmenskonzept übernommen. Dies macht den Einstieg in die Selbständigkeit häufig leichter. Auch Markenhersteller mit eigenem Einzelhandelsnetz suchen teilweise selbständige Betreiber für ihre Mono-Label-Stores. In fast allen Einzelhandelsbranchen gibt es geeignete und erfolgreiche Franchise-Systeme.

Unternehmensübernahme

Die unabhängige Neugründung eines Einzelhandelsunternehmens bietet natürlich einen maximalen eigenen Gestaltungsspielraum hinsichtlich Standort, Sortimentskonzept und Ladengestaltung. Risikofaktoren sind der in der Regel relativ hohe Kapitalaufwand und das Risiko der Marktakzeptanz. Eine Alternative bietet die Existenzgründung durch Übernahme eines bestehenden

Einzelhandelsgeschäftes. Dies kann durch Kauf oder Pacht erfolgen. Es sind viele mittelständische Einzelhandelsunternehmen am Markt, die aus Altersgründen des Inhabers abgegeben werden sollen. Hier können sich „Schnäppchen“ finden, mit etablierten Standorten zu vernünftigen Konditionen, die im Einzelfall aber auch kritisch – möglichst mit fachmännischer Hilfe – zu überprüfen sind.

Vorteile

  • Anlagevermögen kann gebraucht günstig übernommen werden
  • Unternehmen am Markt bekannt
  • Umsätze sind weitgehend von Anfang an gesichert
  • Übernahme eingeführter Lieferanten und Mitarbeiter
  • Gleitende Übernahme möglich

Nachteile/Gefahren

  • Schwierige Kaufpreisermittlung (Bewertung des Betriebsvermögens)
  • Gegebenes Firmenprofil
  • Einstieg in bestehende Verträge
  • Evtl. inhaberabhängige Umsätze
  • Investitionen und Finanzierung

Die Einrichtung eines neuen Einzelhandelsgeschäftes ist in der Regel nicht billig. Ladenbau-Unternehmen rechnen nur für die Möbel mit mindestens 300 bis 400 Euro pro Quadratmeter Verkaufsfläche, nach oben gibt es kaum Grenzen. Häufig fallen noch zusätzliche Investitionen in Boden, Wand und Decke, Beleuchtung, Sicherheitsanlagen, Ladentechnik, Servicegeräte und Werkzeuge, Außenwerbung, Dekorationen sowie Fahrzeuge an. Selbst bei kleineren Geschäften kommen hier leicht 50.000 bis 100.000 Euro nur für das Anlagevermögen zusammen.

Wichtigste Position des Umlaufvermögens ist der Warenbestand: Er gehört praktisch zur Grundausstattung eines Einzelhandelsgeschäftes. Das hierfür erforderliche Kapital sollte unbedingt langfristig finanziert werden, da ansonsten leicht Liquiditätsschwierigkeiten drohen. Die Ermittlung des notwendigen Lagerbestandes erfolgt über branchenübliche Kennziffern wie Lagerumschlag oder Lagerbestand je Quadratmeter Verkaufsfläche.

Personalkostenbelastung im Einzelhandel

Personalkosten schlagen immer besonders zu Buche. Die folgenden Richtwerte sind eine Orientierungshilfe. Sie dürfen nicht unbesehen als Zielvorgabe übernommen werden. Betriebsgröße und Vertriebsform beeinflussen die Personalkostenbelastung ganz erheblich. Kleinere Einzelhandelsgeschäfte werden unter den aufgeführten Durchschnittswerten liegen. Bei Kapitalgesellschaften fallen die Personalkosten regelmäßig höher aus, da die Geschäftsführergehälter in den Kosten berücksichtigt sind.

(Quelle: GründerZeiten 53, BMWi, Berlin)

(Bildnachweis: © apatrylamantia – Fotolia.com)

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