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Meine Website für den Kunden – oder für Google?

UnternehmensnachfolgeSuchmaschinen gewinnen zunehmend an Bedeutung. Das ist ein Fakt. Stellen Sie sich nur einmal vor, Sie müssten sich von heute auf Morgen ohne Suchmaschine durch das Internet bewegen. Vielleicht erinnern Sie noch ein paar Links, zu häufig genutzten Seiten, den Link zu Ihrer Tageszeitung vielleicht. Natürlich können Sie youtube auch selber in die Adressleiste eintippen, aber jeder weiß ja, wem youtube gehört. Ein bekanntes Online-Auktionshaus werden Sie sicher auch ohne Google wiederfinden, aber wissen Sie noch genau, welche Seite Ihnen die letzte Adresse für ein Restaurant in einer fremden Stadt genannt hat, wo Sie den letzten Liedtitel aus dem Song im Radio herausbekommen haben, oder die letzte Deutsch-Englisch oder die gegenteilige Übersetzung vorgenommen haben?

Wenn Sie ein Fachgeschäft suchen, haben Sie dann schon einen konkreten Firmennamen im Kopf oder „googeln“ Sie „Geschäft für Fachbereich X“? Ich vermute letzteres, warum müssen Sie es auch sonst suchen.

Parallel zur zunehmenden Bedeutung der Suchmaschinen, steigt auch die Wichtigkeit, die Unternehmen und deren Webprofis einer hohen Platzierung bei Google beimessen und sicherlich ist diese auch nicht unwichtig. Allerdings hat sich rund um das Thema, diese Platzierung zu erreichen, also um das sogenannte SEO – Search Engine Optimization – eine wahrhaftige Wissenschaft gebildet.

Die Bezeichnung „Wissenschaft“ bringt allerdings schon von sich aus, sehr viel Theorie mit und so enden neuerdings haufenweise Websites in riesigen Textwüsten, unleserlichen Seiten, skurrilen URLs und Weiterleitungen. Begründet liegt dies beispielsweise in der weitverbreiteten Annahme, der Content, also die Texte und somit der Inhalt meiner Website müsse wichtige Wörter möglichst oft enthalten, damit Googles „Spinne“ mich findet und gut platziert.

So lesen sich viele Texte, beispielsweise im handwerklichen Bereich dann folgendermaßen:

„Herzlich Willkommen auf der Seite von Dachdecker X,

Seit Jahren zeichnen wir uns durch erstklassige Arbeit im Bereich der Dacharbeiten, Dachdeckerei, eine große Auswahl an Dachlatten und unsere Erfahrungen mit vielerlei Dachtypen aus. Sollten Sie also Arbeiten auf Ihrem Dach zu erledigen haben, fragen Sie doch bei unseren erfahrenen Dachdeckern an, ob diese Sie nicht vielleicht bei Ihren Dacharbeiten mit ihrer großen Erfahrungen mit einer Vielzahl von Dachtypen und einer großen Auswahl an verschiedenen Dachlatten unterstützen können. Jedes Haus braucht ein Dach und jedes Dach einen Dachdecker.

Vielen Dank für Ihr Vertrauen schon im Voraus

Ihr Dachdecker Team der Dachdeckerei X“

Ich möchte nicht behaupten, dass das Wort „Dach“ hier inflationär genutzt wird, aber schön liest es sich sicherlich nicht. Und dies bringt dieser Website weder eine außergewöhnlich hohe Platzierung bei Google, noch irgendeiner anderen Suchmaschine und macht zusätzlich keinen guten Eindruck gegenüber potenziellen Neukunden.

Denn entscheidend ist nicht allein die Keyworddichte, eine Top 3 Platzierung bei Google und auch nicht der Content allein. Entscheidend ist, wie im offline Marketing, der Online-Marketing Mix. Gerade für kleine –und mittelständische Unternehmen kommt es nicht darauf an, bei einem hart umkämpften Schlagwort wie „Dach“ , „Handwerker“ oder „Restaurant“ auf Seite eins zu landen. Entscheidend ist es, dass die richtige Zielgruppe die Website eines Unternehmens findet und noch wichtiger: Auf dieser Website bleibt und letztendlich auch eine Kontaktanfrage stellt. Denn letztendlich sind Websites nicht für Google sondern für potenzielle Neukunden gedacht.

Google behauptet zwar, dass es wichtig sei, um eine Top-Platzierung zu erreichen, Inhalt zu bieten, der Besucher zum verlinken der eigenen Seite motiviert und dass die eigene Seite einen echten Nutzen bieten sollte. Aber was eigentlich notwendig ist, um bei allgemeinen Schlagwörtern nach vorn zu kommen, sind 500 Verlinkungen pro Stunde, von unbezahlten Praktikanten und unseriösen Agenturen und Websites, die von Texten über die europäische Finanzpolitik bis zu Mutters Rezept für hausgemachte Rouladen alles beinhalten. Und das möglichst doppelt.

Dieses Problem ist auch einfach nachvollziehbar, wenn man versteht, wie Google das Internet durchsucht und auflistet. Die Erfassung von Websites erfolgt durch sogenannte Spiders, welche die Codes von Webseiten nach dem gesuchten Schlagwort durchforsten. Neben diesem Aspekt spielen natürlich auch noch viele andere eine Rolle, wie beispielsweise die Anzahl der Verlinkungen der eigenen Seite auf anderen Seiten, da dies ein Indikator für die Nützlichkeit der eigenen Website ist. Denn wenn irgendjemand Ihre Seite verlinkt hat, muss sie etwas Nützliches oder zumindest interessantes enthalten. Außerdem spielt es eine Rolle, mit welchen Worten diese Verlinkungen wiederum erfolgen. Lassen diese auf ein positives oder negatives Beispiel schließen, welches die eigene Website darstellen soll.

All dies kann aber natürlich von großen Agenturen wesentlich effektiver als von Ihnen selbst vorgenommen werden.

Deshalb ist für kleinere Unternehmen vor allem eines wichtig: Der altbewährte Ansatz, der erstaunliche Ähnlichkeiten mit dem richtigen Ansatz zur offline Reputationsförderung aufweist, ist der, der Integrität und des Kundennutzens Ihrer Seite. Was bringt Ihnen als mittelständisches Unternehmen Platz 1 mit dem Schlagwort „Dachdecker“, wenn derjenige, der Sie gegoogelt hat, aus Bayern kommt, Ihr Unternehmen aber auf der Insel Fehmarn sitzt.

Was hat ein Seitenbesitzer von 1.000 Besuchern am Tag, wenn keiner sich auf der Seite zurechtfindet, oder das Angebot attraktiv genug findet, um Kontakt mit dem Unternehmen aufzunehmen.

Aus diesem Grund ist es wichtig, sich als kleines Unternehmen vor allem über Social Media Marketing und die Onpageoptimierung Gedanken zu machen, denn was wirklich zählt ist die Conversionrate.

Angenommen ein Unternehmen hat die besagten 1.000 Besucher am Tag, denn es hat Keywordtechnisch alles richtig gemacht, eine riesige SEO Agentur im Hintergrund und somit Platz 1 bei Google.

Von diesen 1.000 Besuchern, welche sich aber auf Grund von verpixelten Bildern, nicht ansprechendem Design und einer unübersichtlichen Struktur nicht lange auf der Seite aufhalten, fordern vielleicht zwei ein Angebot an oder nehmen Kontakt mit dem Unternehmen auf. Dies entspricht dann einer Conversionrate von 0,2 %.

Unternehmen Nr. 2, eine kleine Firma aus dem Ort, hat keine teuren SEO Berater, aber eine gut strukturierte Website, ein ansprechendes Design, etwas Geld in schöne Fotos investiert und das wichtigste: Social media Marketing betrieben. Bedeutet: Beispielsweise der Chef der Firma hat durch ein, oder zwei anregende Beiträge in Fachcommunitys oder Blogs, facebook Gewinnspiele oder anderweitiges Engagement Kompetenz und Kundennähe bewiesen.

Angenommen die Seite hat 100 Besucher am Tag, aber durch die gute Stellung und den menschlichen Aspekt der Website und vor allem dem des Websitebesitzers, schicken 10 dieser Besucher am Tag eine Anfrage, über das gut platzierte und leicht zu bedienende Kontaktformular. Die Conversionrate beträgt damit 10% und die Anzahl der Anfragen ist fünfmal so hoch, wie die des ersten Unternehmens. Und das mit 10% der Besucher und erheblich niedrigeren Kosten für das Online-Marketing.

Deshalb ist es sinnvoll, bevor man Unmengen an Kapital für SEOs ausgibt, unter denen es zusätzlich sehr viele schwarze Schafe gibt, sich mit Themen wie Linkbuilding, flacher Seitenstruktur, corporate und responsive Design, so wie mit Social Media Marketing zu befassen.

Den gute Rankings kosten Zeit und mehr Besucher belasten den Server. Nur wenn zum Schluss eine echte Conversion, bzw. Aktion ausgeführt wird, hat sich die Mühe gelohnt.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist nicht die Top Platzierung bei Google unter allgemeinen Keywords, sondern eine gute Platzierung in einem kleinen, speziellen Bereich von Keywords. Jemand der einen Handwerker für sein Haus sucht, googelt kaum nur nach dem Wort Handwerker, sondern mindestens nach „Handwerker aus Ortschaft X“. Somit ist es wichtig für kleinere Unternehmen, beispielsweise schon in der Domain den Standort zu verwenden (z.B. http://www.dachdeckerei-münchhausen.de, anstatt von http://www.dachdeckerei-mueller.de ) .

Zumindest aber auf der „Landingpage“, also der Startseite eines Unternehmens, sollte an Stelle des allseits bekannten „Herzlich Willkommen“ Schriftzugs, der Standort und der Name des Unternehmens auftauchen.

Viel mehr Sinn macht also eine schöne Grafik bzw. ein Bild mit der Begrüßungsfloskel und ein Text der die eben genannten, wichtigen Wörter enthält. Denn Google durchsucht keine Bilder, sondern nur Text.

Verschwenden Sie keine Zeilen für Floskeln – kommen Sie auf den Punkt. Für Google und vor allem, für Ihren potenziellen Kunden.

(Ein Gastbeitrag von Arne Heddinga, das eProjekt)

(Bildnachweis: © Stauke – Fotolia.com)

 

2 Gedanken zu “Meine Website für den Kunden – oder für Google?

  1. Moin, moin,

    danke für das Statement. Nun ich kann dazu aus meinem Berufsalltag folgendes sagen:

    Viele Unternehmen, gerade kleine und mittelständische, haben nicht viel davon, bei Google unter jedem assoziativen Keyword in der Top 10 zu stehen, während der Aufwand dafür sehr kostenintensiv ist.

    In dem Artikel geht es speziell darum, unter welchen Keywords man gefunden werden sollte und das dieses Ziel häufig auch ohne teure SEO Tools zu erreichen ist. Natürlich nicht immer und es ist ganz klar branchenabhängig.

    Letztendich zählt für Unternehmen außerdem die Conversionrate und die kann auch positiv sein, wenn Besucher nur über die Visitenkarten oder Zeitungswerbung auf die Website eines Unternehmens kommen.

    Es ist wie immer der Marketingmix. Gefunden zu werden ist nicht alles, man muss auch der Gesuchte sein.

  2. Ein ganz klares Jein. Natürlich für den Kunden, aber bitte Google nicht aus den Augen verlieren. Was bringt die schönste Seite wenn diese nicht gefunden wird? Richtig! Nichts.

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