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Zarte Pflänzchen – Kleingründungen

ErfolgViele Existenzgründerinnen oder -gründer sind (verständlicherweise) unsicher, ob die Karriere als Unternehmerin bzw. Unternehmer auch erfolgreich verlaufen wird. Andere wollen ihren sicheren Job nicht aufgeben. Oder: Viele Frauen, die Kinder und Haushalt versorgen müssen, können kein Unternehmen gründen, das einen Zwölf-Stunden-Tag erfordert. Alternative: klein anfangen. Nicht jede Unternehmensgründerin und nicht jeder Unternehmensgründer landet gleich den großen Coup mit großartigen Geschäftsideen, neuen Märkten und riesigen Wachstumsraten. Es gibt eine Vielzahl von Gründungen, bei denen kleine und kleinste Unternehmen entstehen: so genannte Kleingründungen.

Was sind Kleingründungen?

Als Kleingründung bezeichnet man in der EU eine Existenzgründung, deren Finanzierungsbedarf unter 25.000 Euro liegt. Sie bietet erfahrungsgemäß nicht nur zu Beginn, sondern dauerhaft nur dem Gründer selbst einen Arbeitsplatz.

Besondere Form der Kleingründung: Nebenerwerbsgründung

Eine besondere Form der Kleingründung ist die Nebenerwerbsgründung. Von ihr ist dann die Rede, wenn Gründerinnen oder Gründer hauptberuflich z.B. Angestellter oder Hausfrau und „im Nebenberuf“ selbständig sind. Oder auch dann, wenn die Erträge aus der Gründung nicht ausreichen, um den Lebensunterhalt vollständig zu bestreiten. Dass die besonderen Vorteile von Kleingründungen gerade für die „Gründung im Nebenberuf“ zutreffen, zeigt die Gründungsstatistik: Weit über die Hälfte aller Gründungen eines jeden Jahres sind erfahrungsgemäß Nebenerwerbsgründungen (KfW-Gründungsmonitor).

Risikominderung

Wer (zunächst) allein in die Selbständigkeit startet, kann mit einer Kleingründung ohne besondere Kostenbelastungen und zusätzliche Verantwortung für angestellte Mitarbeiter herausfinden, ob seine Geschäftsidee wirklich „trägt“ und der Markt dafür vorhanden ist.

Geringer Finanzierungsbedarf

Wer „klein“ anfängt, kann dies nicht selten auch aus dem eigenen Geldbeutel finanzieren und ist unabhängig von Banken und Sicherheiten für Kredite.

Testphase

Viele Gründerinnen und Gründer gehen davon aus, dass ihr Einkommen aus der Unternehmertätigkeit zu gering ist, um den eigenen Lebensunterhalt (und den der Familie) zukünftig allein zu sichern. Mit einer Kleingründung (und möglicherweise weiterhin festen Einkünften) kann man zunächst einfach testen, ob „mehr drin ist“. Und – nicht zu vergessen – ob man oder frau für die Selbständigkeit geeignet ist. Eine Kleingründung eignet sich daher gerade für die Anlaufphase eines Unternehmens und für Gründerinnen und Gründer, die zusätzlich ein festes Einkommen aus einer angestellten Tätigkeit haben.

Zeitbedarf

Nicht jede Gründerin und nicht jeder Gründer hat die Zeit, um ein „Full-Time-Unternehmen“ zu führen. Dies betrifft nicht zuletzt Gründerinnen, die für ihre Kinder sorgen müssen. Für Teilzeitgründungen reicht die Zeit womöglich schon. Mehr Zeit bleibt auch dann, wenn ein Unternehmen mit anderen Gründerinnen oder Gründern gemeinsam betrieben wird.

Zusatzeinkommen

Eine Kleingründung kann auch dazu genutzt werden, ein festes Einkommen aus einer Angestelltentätigkeit „aufzubessern“: entweder um ein zu geringes Einkommen aufzustocken und den Lebensunterhalt zu sichern. Oder aber, um mehr Geld für besondere Ansprüche zur Verfügung zu haben.

Besonderheiten für Kleingründer

Steuer

Das Finanzamt akzeptiert es auf Dauer nicht, wenn eine selbständige Tätigkeit – auch im Nebenerwerb – nur Verluste „einfährt“ und auch nach mehreren Jahren keine Gewinne erzielt. Anstelle einer Selbständigkeit unterstellt man hier eine so genannte „Liebhaberei“, für die es keine Steuererleichterungen gibt. Achtung: Steuerlich geltend gemachte Betriebsausgaben können bis zu einer Frist von etwa acht Jahren ggf. zurückgefordert werden.

Sozialversicherung

Selbständige müssen in der Regel ihre Kranken-, Renten-, Pflegeversicherung selbst bestreiten (Ausnahmen bei den Freien Berufen, s. GründerZeiten Nr. 45 „Existenzgründungen durch Freie Berufe“). Angestellte Nebenerwerbsselbständige zahlen (wie alle Arbeitnehmer) 50 Prozent ihrer Sozialversicherungsbeiträge selbst, die anderen 50 Prozent zahlt der Arbeitgeber. Arbeitslose sind über die Bundesagentur für Arbeit sozialversichert.

Kammerbeiträge

IHK: Gründerinnen und Gründer, die seit dem 1. Januar 2004 erstmals einen Gewerbebetrieb anmelden, sind unter den unten genannten Voraussetzungen im Gründungsjahr und im Folgejahr vom IHK-Mitgliedsbeitrag (Grundbeitrag und gewinnabhängige Umlage) befreit. Voraussetzungen dafür:

  • Es handelt sich um natürliche Personen (keine Personen- oder Kapitalgesellschaften).
  • Sie sind nicht im Handelsregister eingetragen.
  • Sie haben in den letzten fünf Jahren vor der Betriebseröffnung weder Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft, Gewerbebetrieb oder selbständiger Arbeit erzielt, noch waren sie an
  • einer Kapitalgesellschaft mittelbar oder unmittelbar zu mehr als einem Zehntel beteiligt.
  • Ihr Jahresgewinn liegt nicht über 25.000 Euro. Dauerhaft freigestellt sind natürliche Personen und Personengesellschaften, die nicht im Handelsregister eingetragen sind und deren Gewerbeertrag bzw. Gewinn aus Gewerbebetrieb 5.200 Euro jährlich nicht übersteigt.

(Quelle: GründerZeiten 44, BMWi, Berlin)

(Bildnachweis: © alphaspirit-Fotolia.com)

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