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So erkennt man schwarze Schafe im Franchising

Die Franchise-Branche verzeichnet weiterhin starke Zuwächse. Gegenwärtig werden in Deutschland über 910 verschiedene Franchise-Systeme angeboten. Rund 280 davon sind im Deutschen Franchise Verband (DFV) organisiert.

Leider gibt es in der großen Herde der angebotenen Franchisesysteme auch einige schwarze Schafe, deren einziges Ziel es ist, den eigenen Profit kurzfristig zu maximieren. Diese schädigen nicht nur einzelne Franchise-Nehmer, sondern bringen ein ganzes Vertriebssystem in Verruf, das gerade für Existenzgründer – aber zunehmend auch für bestehende Unternehmen – eine interessante Alternative ist.

Es stellt sich somit die Frage, wie sich diese „Wölfe im Schafspelz“ aufspüren lassen. Leider greifen hier keine stereotypen Feststellungen. Etablierte namhafte Systeme bieten keineswegs eine Garantie für eine erfolgreiche Zusammenarbeit. So findet mitunter im Bereich der Systemgastronomie durch fehlenden Gebietsschutz und das Nebeneinander von Franchisenehmern und Filialbetrieben Kannibalismus statt. Andererseits bedeutet fehlende Erfahrung nicht automatisch die Inkompetenz eines Systems. Ganz im Gegenteil: Häufig sind gerade mit innovativen Geschäftsideen große Erfolge möglich.

Unseriöse oder Mangelhafte Systeme lassen sich zumeist nur sehr schwer erkennen. Oftmals können sie jedoch bereits zu Beginn der Kontaktaufnahme an folgenden Punkten identifiziert werden:

1. Chiffre-Anzeigen
Übertriebene Geheimhaltung kann, gerade bei einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit, von dem erfolgreiches Franchising lebt, nicht der Königsweg sein.

2. Formale Mängel
Wer zusammengeschustertes oder fehlerhaftes Informationsmaterial zur Verfügung stellt, wird im Zweifelsfall auch bei der Systemkonzeption unsauber gearbeitet haben.

3. Köderangebote
Häufig wird mit enormen Gewinnversprechungen geworben; besonders pikant wird es, wenn dabei auf die Erfolge im Ausland verwiesen wird, da dann häufig ein Versuchskaninchen für den deutschen Markt gesucht werden könnte.

4. Einladungen in ein Hotel
In Kaffee-Fahrt-Atmosphäre lassen sich trefflich Heizdecken (ver-)kaufen, von der Unterschrift unter einem Franchisevertrag sollte jedoch Abstand genommen werden. Sofern ein Franchisegeber diesen ersten Check überwunden hat, muss das angebotene System auf „Herz und Nieren“ analysiert werden. Hier zeichnen sich kompetente Franchisegeber weniger durch Hochglanzbroschüren, als vielmehr durch nachvollziehbare und realistische Fakten aus.

5. Pilot-Betrieb
Nur wer die eigene Geschäftsidee erfolgreich im eigenen Betrieb über mehrere Jahre entwickelt hat, kennt die Tücken des Geschäfts.

6. Betriebsvergleich
Fundierte Aussagen zu potenziellen Umsätzen und Erträgen können in der Regel nur auf Basis eines exakten Betriebsvergleichs erfolgen.

7. Schulungen
Die Vermittlung des notwendigen Know-hows an Franchisenehmer ist nur durch gezielte Schulungen bzw. Praktika möglich. Vereinzelte Seminare sind in vielen Fällen zu wenig.

8. Betreuung/Beiräte
Durch ständigen Kontakt und permanente Gremienarbeit in „Erfa-Gruppen“, Produkt- und Werbebeirat etc. wird die Weiterentwicklung des Systems gesichert.

9. Referenzen
Im Idealfall stellt der Franchisegeber dem Interessenten eine Liste aller Franchisenehmer zur Verfügung, so dass ungefilterte Informationen eingeholt werden können. Da Franchiseverträge in der Regel für mehrere Jahre abgeschlossen werden, ist ein sorgfältiges Abwägen der Vor- und Nachteile eines Systems unbedingt erforderlich. Allerdings kann hier oftmals nur eine individuelle Recherche weiterhelfen, da sich eine transparente Darstellung der Branche durch ihr starkes Wachstum stetig erschwert. Doch der Aufwand lohnt sich. Liegt bei „herkömmlichen“ Unternehmensgründern die Quote der Aufgaben in den ersten Jahren bei fast 50 %, so ist sie bei Franchisenehmern mit unter 10 Prozent wesentlich geringer. Dieser Wert dürfte bei den „weißen Schafen“ noch deutlich niedriger sein.

(Bildnachweis: © Peter Atkins – Fotolia.com)

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