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Existenzgründungen im besten Alter – Startvorteile älterer Gründerinnen und Gründer

Lebenserfahrung

Bei einer Gründung besonders besonnen und zielgerichtet zu Werke zu gehen, zeichnet ältere Gründerinnen und Gründer aus. Hintergrund dafür ist u. a., dass sie als Berufs- und Familienmenschen in jedem Fall viel private Lebenserfahrung mitbringen. Sie haben in ihrem Leben einige Höhen erreicht und Tiefen überstanden und sind daher häufig deutlich gelassener als Jüngere. Sie sind in der Lage, ihr Handeln und Wissen kritisch zu hinterfragen. Darüber hinaus weisen Ältere eher als Jüngere eine gesunde Distanz zu ihrem Vorhaben auf und schätzen Situationen wie auch Risiken realistischer ein. Sie neigen eher dazu, Fehlentscheidungen zu vermeiden, weil sie ihre eigenen Stärken und Schwächen besser einschätzen können. Diese Umsicht betrifft nicht zuletzt auch den Umgang mit (geliehenem) Geld. Schließlich verfügen Ältere aufgrund aller Lebenserfahrungen in der Regel über eine gewachsene soziale Kompetenz.

Berufs- und Branchenerfahrung

Wer ein gewisses Lebensalter erreicht hat, kann in der Regel auf vielfältige Berufserfahrungen zurückgreifen. Ältere Gründerinnen und Gründer kennen ihr „Handwerk“ dabei nicht selten „von der Pike auf“, verfügen außerdem vielfach über eine größere Erfahrung in der Arbeitsorganisation, sind mit Entscheidungsabläufen im Arbeitsprozess vertraut und arbeiten genauer. Das bedeutet: Fehler, die Berufsneulingen bisweilen unterlaufen, werden ihnen nicht (so schnell) passieren. Außerdem waren sie nicht selten mit Auftragsakquisition und Auftragsvergabe betraut oder im Vertrieb tätig, haben mit Lieferanten und Kunden verhandelt oder Preise kalkuliert: gute Voraussetzungen für eine selbständige Tätigkeit.  

Wer viele Jahre in einem bestimmten Beruf tätig war, hat dabei in der Regel auch seinen Markt und seine Branche genau kennengelernt. Solche Kenntnisse helfen nun dabei, mögliche Geschäftsfelder zu erkennen, unbesetzte Marktnischen zu entdecken und die eigenen Erfolgschancen realistisch einzuschätzen. Ein Vorteil, der sich aus dem Alter ergibt, ist die Zugehörigkeit oder Nähe zum wachsenden Kundenmarkt der „Silver Ager“. Gründer ab dem mittleren Alter altern mit ihren Kunden, können sich besser in ihre Lage hineinversetzen und auf die sich verändernde Güter- und Dienstleistungsnachfrage besser reagieren.

Führungserfahrung

Eine langjährige angestellte Berufstätigkeit verlangt in aller Regel, am Arbeitsplatz mehr und mehr Verantwortung zu übernehmen. Das zahlt sich bei einer Gründung aus. Dabei sind nicht allein die beruflichen Erfahrungen hilfreich: Frauen und Männer, die nach einer Familienpause ein Kleinunternehmen starten, können auch auf eine Planungs- und Führungserfahrung zurückgreifen, die sie sich durch die Organisation des „Kleinunternehmens Familie und Haushalt“ erworben haben.

Gute Vernetzung

Gute Markt- und Branchenkenntnisse sind oft verbunden mit einem weit verzweigten Kontakte-Netzwerk. Vor allem ältere Gründerinnen und Gründer, die direkt im Anschluss an eine Angestelltentätigkeit starten, sind hier eingeführt und bekannt für Fachkompetenz und gute Arbeit. Dazu kommt: Im privaten Umfeld haben Ältere außerdem über viele Jahre Kontakte zu Verwandten, Freunden, Nachbarn, Vereinen usw. aufgebaut. Alle diese Kontakte sind gerade beim Unternehmensstart eine ideale Grundlage für Auftragsakquise und Vertrieb. Und ein wichtiger Rückhalt bei der persönlichen Entscheidung, sich beruflich auf eigene Füße zu stellen und dabei nicht zuletzt persönliche und familiäre Herausforderungen zu meistern (z. B. Doppelbelastung Beruf-Familie).

Eigenkapital und Sicherheiten

Ältere Gründerinnen und Gründer verfügen oft über mehr Eigenkapital als jüngere (wenn sie nicht länger arbeitslos waren und ihr Erspartes aufzehren mussten). Kein Wunder, da sie mehr Zeit zur Vermögensbildung hatten. Außerdem haben sich bei vielen finanzielle Verpflichtungen für die Kinder erledigt und die Hypothek für das Haus ist abbezahlt. Auch bei Krediten haben Ältere häufig „bessere Karten“ als Jüngere: Immerhin haben sie der Bank mehr Informationen zu ihrer Kreditwürdigkeit zu bieten, möglicherweise kombiniert mit langjährigen Beziehungen zur Hausbank, was ihre Verhandlungsposition gegenüber Kapitalgebern zusätzlich verbessert.

(Quelle: GründerZeiten 19, BMWi, Berlin)
(Bildnachweis: 2©-fotogestoeber – Fotolia.com)

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