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Wie Sie es verhindern, dass Konflikte Ihr Unternehmen wirtschaftlich schwächen

emotionenEin Interview mit dem Konfliktmanagement-Experten Dr. Timo Müller (IKuF)

Dr. Timo Müller ist Konfliktmanagement-Experte des IKuF – Institut für Konfliktmanagement und Führungskommunikation. Er hat Wirtschafts- und Sozialwissenschaften studiert und hat im Feld der Konfliktforschung promoviert. Herr Müller ist Trainer, Vortragsreferent, Berater/Coach und Autor zu den Kompetenzfeldern „Erfolgreich Konflikte managen“ und „Effektiv Feedback geben“. Er wirbt für ein professionelles Konfliktmanagement in jedem Unternehmen. Ziele sind hierbei einerseits ein besseres Miteinander am Arbeitsplatz und andererseits ein größerer wirtschaftlicher Erfolg. Im Interview beantwortet Herr Müller, welche Folgen Konflikte am Arbeitsplatz haben und wie ein Fachmann Ihr Unternehmen beim Konfliktmanagement unterstützen kann.

Was haben Konflikte im Unternehmen mit dem Thema „Existenzgründung“ zu tun?

Dr. Timo Müller (IKuF): Ein großes Problem ist, dass Konfliktmanagementkompetenzen fehlen. Und dies, obgleich es in jedem jungen Unternehmen naturgemäß Konflikte gibt. Allein schon dadurch, dass Menschen ganz neu zusammenarbeiten – oder in einer neuen Konstellation. Aber auch generell ergeben sich Konflikte: durch unterschiedliche Denkweisen und individuelle Prägungen der Beteiligten. Was teilweise übersehen wird, wenn sich die Geschäftsführung nur auf Sachthemen konzentriert: schon eine falscher Tonfall kann von Mitarbeitern als Respektlosigkeit aufgefasst werden und zu einem Konflikt führen.

Was sollten junge Unternehmer/innen beachten?

Dr. Timo Müller (IKuF): Leider werden Konflikte in den ersten Monaten nach der Existenzgründung selten berücksichtigt. Das geht eventuell eine Zeit lang gut. Solange bis dann das Kind in den Brunnen gefallen ist. Mitarbeiter leisten z. B. nur noch Dienst nach Vorschrift, kündigen einfach oder sabotieren eventuell sogar das Unternehmen. Erst dann – zu spät – wird bemerkt: Konflikte verursachen Kosten. Die renommierte Österreichische Wirtschaftskammer lies in einer Untersuchung den Wert für die Konfliktkosten ermitteln. Ergebnis: 19 % der Gesamtkosten eines Unternehmens. Hierbei sind die auch Folgen der zweiten Ebene – die Folgen der Folgen – einberechnet. Ein Beispiel: Personen, die sich um die Folgeschäden eines Konfliktes kümmern, haben keine Zeit für andere nutzbringende Tätigkeiten. Ich empfehle Ihnen daher: lernen Sie aus den negativen Erfahrungen anderer und machen Sie es besser. Konflikte professionell zu managen, ist wirtschaftlich wichtig und sinnvoll.

Was bedeutet das im Detail?

Dr. Timo Müller (IKuF): Das meint, dass jede Führungskraft im Unternehmen – nicht nur die Geschäftsführung – Konflikte frühzeitig erkennen sollte. Und jede sollte wissen, wie Konflikte erfolgreich auszutragen sind. In meinen Konfliktberatungen zeigt sich: die Führungskraft erkennt teilweise nicht, dass schwache oder schwächer werdende Mitarbeiterleistungen häufig auf Konflikte zurückzuführen sind. Diese stressigen Konflikte zu ergründen und erfolgreich zu lösen, löst dann „Motivationsblockaden“.

Je mehr stressige Konflikte desto weniger Mitarbeiterleistung. Ist hier die Geschäftsführung immer gefragt?

Dr. Timo Müller (IKuF): Ja, als Chef bzw. Chefin des Unternehmens bin ich – verkürzt gesagt – nicht nur der „Aufgabenverteiler“, sondern auch personalverantwortliche Führungskraft. Ich sollte also wissen, was bei Konflikten zu tun ist. Wenn ich selbst beteiligt bin und mit einem Mitarbeiter einen Konflikt habe. Und auch wenn zwei Mitarbeiter Ärger miteinander haben – auch dann bin ich in bestimmten Fällen gefragt. Ich sollte grundsätzlich souverän und richtig handeln. Ein Negativbeispiel: Es gibt einen Mitarbeiterkonflikt und der Geschäftsführer wird laut und ordnet eine Lösung an. Das Problem scheint gelöst. Tatsächlich sind die wirtschaftlichen, negativen Folgen nicht ausgeräumt. Beide Mitarbeiter wurden nicht einbezogen. Sie werden vermutlich durch diese autoritäre Lösung des Konflikts sogar noch zusätzlich demotiviert.

Sie plädieren dafür, Konflikte professionell zu managen. Was ist damit gemeint?

Dr. Timo Müller (IKuF): Sie würden vermutlich keinen an das Steuer eines zehn-Tonnen-LKWs lassen, der keine praktische Übung darin hat. Die Person sollte schon einige Trainingsstunden absolviert haben. Sonst ist das Risiko zu groß, dass Schäden entstehen. Bei Führungskräften scheint diese Logik nicht zu gelten. Über 50 % der Führungskräfte haben noch nie an einem Führungskräftetraining teilgenommen. Und von den 50 %, die trainiert wurden, ist die Frage: wie viele haben sich wirklich ausreichend mit dem Managen von Konflikten befasst? Ich kann ihnen versichern: mit einem halben Tag „Konfliktmanagementunterricht“ im Rahmen eines Projektmanagementkurses werden Sie Konflikte nicht professionell lösen können. Für das Erlernen der grundlegenden Fähigkeiten braucht es mindestens zwei bis drei Trainingstage bei einem Experten. Ich gebe Ihnen den Tipp: Bauen Sie Dämme, bevor das Wasser kommt! Erwerben Sie frühzeitig Konfliktmanagementfähigkeiten!

Welche Herausforderungen sehen Sie noch für junge Unternehmen?

Dr. Timo Müller (IKuF): Als Unternehmer bringe ich mich mit Leib und Seele ein. Eine wichtige Frage ist, ob ich es schaffe, im „Gleichgewicht“ zu bleiben. Zwei Tipps, die aber nur mit viel Selbstdisziplin umzusetzen sind. Achten Sie auf die eigene Psychohygiene. Gönnen Sie sich genug Schlaf – durchschnittlich mindestens sechs Stunden pro Nacht. Und schaffen Sie sich „Inseln der Entspannung“, auf denen Sie ganz abschalten können, z. B. einen Ausdauersport. Am Ende handeln Sie als ausgeglichene Geschäftsführung souveräner im zwischenmenschlichen Umgang. Und, auch nicht zu unterschätzen: Sie treffen allgemein bessere Entscheidungen für`s eigene Unternehmen.

Haben Sie eine weitere Empfehlung für Unternehmer?

Dr. Timo Müller (IKuF): Wenn ich ein Unternehmen gründe, bin ich hochmotiviert und bereit, mein Bestes zu geben. Die Kardinalfrage der Führung ist: wie schaffe ich es, dass mein Personal die gleiche, große Arbeitsmotivation hat wie ich selbst. Ich hatte davon berichtet, dass stressige Konflikte am Arbeitsplatz die Arbeitsmotivation untergraben. Diese sollte ich also idealerweise verhindern. Damit sind wir beim Thema „Feedbackommunikation“ – dem Umgang mit Fehlern. Wie gehe ich mit nicht optimalen Leistungen um? Eine Studie des IKuF – Institut für Konfliktmanagement und Führungskommunikation (2013) – ergab, dass fast jeder dritte Vorgesetzte mit der Note vier oder noch schlechter bewertet wird (31 %). Nur 45 % erhielten die Note gut oder sehr gut. Was heißt das für Sie als Unternehmer? Wenn Sie noch nicht dazugehören: Schließen Sie sich der Gruppe der 45 % an. Mit anderen Worten: verhindern Sie durch richtiges Feedback Konflikte. Aber nicht nur das. Als Konfliktbeteiligter können Sie über das richtige Feedback auch Konflikte deeskalieren. Das nutzt der Teamatmospäre und der Arbeitsmotivation – und befördert damit starke Mitarbeiterleistungen.

Wir danken Ihnen für das Interview, Herr Müller.

Das Interview mit Herrn Dr. Müller vom IKuF wurde am 1. März 2016 geführt.

Weblink-Empfehlung: Video-Podcast „Die 4 Irrtümer zum Konfliktmanagement im Unternehmen“ © IKuF (3:45 Min.)

(Bildnachweis: ©-MH – Fotolia.com)

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